Private Krankenversicherung – Wie ein Ex-Polizist um unser Recht kämpft

Zuletzt aktualisiert am 14.12.2015

Horst Glanzer. Ein Name den Politiker und Versicherungen nicht mehr so schnell vergessen werden. Seine Geschichte beginnt im Jahr 2003 als er an einer Nasennebenhöhlenentzündung erkrankt. Schnell bildete sich Eiter, der sich durch die Knochen fraß und den Kiefer und die Stirnhöhle zerstörte. Sogar das Gehirn wurde durch die Entzündung bedroht.

Private Krankenversicherung TestKeine Kostenübernahme für Spezialklinik

Da Glanzer unter sehr starken Allergien leidet, kam für ihn und seine Behandlung nur eine Spezialklinik in der Schweiz in Frage, die umgerechnet in etwa 900 Euro am Tag kostete. Die hätte Glanzer selbst zahlen müssen oder eine Bewilligung der Kostenübernahme durch seine Krankenkasse vorlegen müssen. Seine private Krankenversicherung bei der Allianz lehnte diesen Antrag allerdings ab, mit der Begründung, dass eine ambulante Behandlung laut den medizinischen unterlagen vollkommen ausreichend sei. Erst nach über zwei Monaten stimmte die Allianz der Kostenübernahme zu, doch da war es allerdings schon zu spät.

Klage ohne Anhörung abgewiesen

Da sich die Entzündung zu lange ausbreiten konnte, litt Glanzer auch nach der Behandlung in der Spezialklinik, weiterhin unter sehr starken Schmerzen und Fieberschüben, die ihn letztendlich berufsunfähig werden ließen. Die Forderung gegenüber seiner Krankenkasse auf Schadensersatz wurde in der ersten Gerichtsinstanz abgelehnt. Auch der Gang in die Berufung und Revisionsklage wird vom Oberlandesgericht in Nürnberg 2008 abgewiesen, ohne dass Glanzer oder einer seiner vier Gutachter überhaupt dazu angehört wurden. Dieser Beschluss war nun nicht mehr anfechtbar und der Weg zum Bundesgerichtshof war ihm damit verwehrt. Auch Verfassungsbeschwerden und eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof finden kein Gehör.

Politiker hören ihn an

Nach diesem Kampf für nichts hatte Glanzer das Vertrauen in die deutsche Justiz verloren und kämpft seitdem darum die entsprechenden Gesetze und Prozessordnungen zu ändern, damit in Zukunft andere, denen es mal genauso ergehen könnte wie ihm, es leichter haben werden an ihr Recht zu kommen. Dafür ist Glanzer auch kein Weg zu weit oder zu steinig. Er schafft es sogar sich private Telefonnummern zu organisieren um mit den Politikern direkt über sein Anliegen zu referieren. Sogar die Telefonnummer der damaligen Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger konnte er sich beschaffen und ließ es sich nicht nehmen sie Sonntagsnachmittags in ihrem Haus am Starnberger See anzurufen. So ist er mit einigen Politikern verfahren und hat solange nicht aufgehört bis sie ihn anhörten. Woher er die Nummern bekam blieb sein Geheimnis.

Zivilprozessordnung erfolgreich geändert

Nach zahlreichen Versuchen bei der Staatsanwaltschaft Gehör zu finden, wurde er dort mit der Aussage abgebügelt, dass er keine Beweise vorgelegt hatte. Gutachten die er allerdings an die Behörde sandte, blieben völlig unbeachtet. Er will dass die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft negativ bewertet wird und dass das gesamte Verfahren, das er durchlaufen hat geändert wird. Seit zehn Jahren kämpft Glanzer nun schon für die Änderungen der entsprechenden Gesetze. Zwei von drei Anträgen hat er mittlerweile bereits erfolgreich an den Mann gebracht. 2011 wurde tatsächlich die Zivilprozessordnung durch den Bundestag geändert. Bis dahin konnte ein Gericht einen Antrag direkt zurückweisen, wenn es ihn für aussichtlos hielt. Nicht einmal der Antragssteller musste vom Gericht gehört werden, so wie es Glanzer erging. Oft wurden auch Anträge zurückgewiesen, die durchaus auch Aussicht auf Erfolg gehabt hätten, betont Glanzer. Aus diesem Grund musste diese Regelung, nach seinen Aussagen, schlichtweg verschwinden.

Versicherungsgesetz durch Glanzer reformiert

Seinen zweiten Antrag den er verwirklichte, war die Reform des Versicherungsgesetzes. Versicherer können sich nun nicht mehr lange Zeit lassen, bevor sie eine Entscheidung zwecks Kostenübernahme treffen. Dies muss nun innerhalb von höchstens zwei Wochen geschehen. Auch wenn es bei der Kostenübernahme um 2.000 Euro oder mehr geht, müssen die Versicherungen schneller handeln. Bei höheren Summen konnten sich Versicherer vor der Reform besonders viel Zeit bei der Entscheidungsfindung lassen, was einer der Hauptgründe ist wieso es Glanzer heute so schlecht geht. Der Eiter hatte einfach zu viel Zeit um sich durch sein Gesicht zu fressen. Dass er heute noch lebt, wundert selbst die größten Fachleute.

Aussage gegen Aussage

Laut Glanzers Aussagen, habe die Allianz seinen Antrag mit voller Absicht so lange hinaus gezögert, wohingegen die Versicherung widerspricht und auf ein Statement in der Berliner Tageszeitung verweist. „Herr Glanzer hätte sich sofort ambulant oder sogar stationär in Deutschland behandeln lassen können”, wird sie dort zitiert. Dass der Aufenthalt in der Schweizer Spezialklinik nötig war, sei aus den damals eingereichten Attesten nicht hervorgegangen, was Glanzer sehr stark bestreitet.

Anerkennung der Justizministerin

Das Ergebnis Glanzers dritten Antrags hat es sogar bis in den aktuellen Koalitionsvertrag geschafft. Dort heißt es auf Seite 107: „Wir wollen außerdem die Neutralität gerichtlich beigezogener Sachverständiger gewährleisten(…).” Was so viel bedeutet wie, dass sich Gutachter, die oft auch Aufträge für Versicherungen übernehmen, vor Gericht offenlegen müssen, ob sie befangen sein könnten oder nicht. Anerkennung erhält er dafür auch von der ehemaligen Justizministerin Leutheuser-Schnarrenberger: „Ohne Herrn Glanzer hätte es die Änderungen nicht gegeben.“, verkündigt sie in einem Interview.

Furcht vor der Versicherung

Heute lebt Glanzer sehr anonym, meidet die Öffentlichkeit und hat eine geheime Telefonnummer. Dies tut er aus Angst. Aus Angst davor, dass ihn eines Tages die Versicherungsbranche finde. Ihm selbst werden seine Anstrengungen aus den letzten Jahren nichts mehr bringen. Bei ihm ist der Schaden bereits angerichtet. Auch Schadenersatzklagen hätten keinen Sinnt mehr, da mittlerweile alles verjährt ist. Heute lebt er mit ca. 300.000 Euro Schulden und schwer gesundheitlich angeschlagen, an einem geheimen Ort in Österreich, da er den langen Arm der Versicherungskonzerne, denen er nur knapp entkommen ist, fürchtet.

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