Wie sieht die Zukunft der PKV aus? Wird sie noch vor 2020 abgeschafft?

Zuletzt aktualisiert am 26.04.2019

Zukunft der PKVDie private Krankenversicherung hat schon seit ein paar Jahren mit einer Stagnation der Neukundenzahl zu kämpfen. Viele Versicherte sind unzufrieden und würden auch nicht mehr in die PKV eintreten. Auch einige Parteien halten das duale System für veraltet und möchten es gern früher als später abschaffen. Daher steht eine Bürgerversicherung nach Hamburger Modell in den Startlöchern und könnte den Weg für ganz Deutschland ebnen.

Wie sieht die Zukunft der PKV aus? Wird die PKV womöglich noch vor 2020 ganz abgeschafft?

Aktuelle Versicherungslage in Deutschland

Von den rund 80 Millionen Menschen in Deutschland sind 71 Millionen gesetzlich versichert – und nur neun Millionen privat. Seit 2012 hat die private Krankenkasse mit immer mehr Abgängen hin zu gesetzlichen Krankenversicherung zu kämpfen. Neuzugänge lassen ebenfalls auf sich warten. Nun stellt sich allmählich die Frage, ob die PKV überhaupt noch eine Zukunft hat oder ob der Abwärtstrend weitergeht. Ein paar Parteien verfechten das Prinzip der privaten Krankenversicherung inbrünstig, während andere sie am liebsten schon abgeschafft hätten.

Das sagen die Parteien zu PKV und Bürgerversicherung

In der Politik gibt es klare Statements der einzelnen Parteien für und gegen den Fortbestand der privaten Krankenversicherung. Die Zukunft der PKV ist ein großes Thema der aktuellen Koalitionsverhandlungen.

SPD möchte Bürgerversicherung anstatt PKV

Das die SPD eine einheitliche Krankenversicherung für jedermann schaffen will, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Einen ersten Schritt in Richtung Bürgerversicherung gibt es auch schon ab August in Hamburg. Dort dürfen junge Beamte erstmals ohne finanziellen Nachteile in die GKV eintreten. Sie erhalten dann eine Pauschale ihres Dienstherrn, die gleichbedeutend mit dem Arbeitgeberanteil ist, den auch Angestellte in der GKV erhalten.

Die SPD möchte damit das in ihren Augen ungerechte duale System einer Zwei-Klassen-Medizin in den Hintergrund rücken und für mehr Gerechtigkeit in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung sorgen.

Die Linke ist ebenfalls für eine Bürgerversicherung

Nach Vorstellung der Linken könnte durch eine Bürgerversicherung die Beiträge gesenkt und dauerhaft niedrig, bei etwas über zehn Prozent gehalten werden. Zur Beitragsfinanzierung möchte die Linke neben Lohn und Gehalt auch Kapitalerträge und Gewinne heranziehen. Den Beitrag für die Krankenkasse sollen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Hälfte teilen. Außerdem soll die Beitragsbemessungsgrenze abgeschafft und durch einen allgemeingültigen Prozentsatz ersetzt werde. Die private Krankenversicherung soll dann nur noch für Zusatzleistungen in Anspruch genommen werden. Eine Wahlmöglichkeit zwischen den Versicherungen sieht die Linke nicht vor.

Die Bürgerversicherung der Grünen

Die Grünen möchten, dass sowohl gesetzliche als auch private Krankenkassen eine Bürgerversicherung nach einer gemeinsamen Honorarordnung anbieten. Der Wettbewerb soll dabei durch Qualität und Patientenorientierung beibehalten werden und nicht durch den Beitragssatz. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen sich den Beitrag genau zur Hälfte teilen, so wie es auch die SPD vorsieht. Die Beiträge zur Krankenkasse sollen sich strikt auf das Einkommen beziehen und Zuzahlungen abschaffen. Damit Gutverdiener stärker bei den Beiträgen beteiligt werden, soll die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung angehoben Werde. Die Folge wäre mehr Raum für Beitragssenkungen.

CDU/CSU halten an der PKV fest

CDU und CSU sprechen sich ganz deutlich gegen ein einheitliches Versicherungssystem aus und wollen das duale System beibehalten. Thomas Stritzl, der Bundestagsabgeordnete der CDU, merkte auf der Euroforum-Konferenz „PKV aktuell“ an, dass die PKV „der spürbare Wettbewerbspartner für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung, zum Beispiel im Bereich des Leistungskatalogs“ sei.

Prognose der Beiträge in den kommenden Jahren

Der Prognose des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach im Bezug auf die PKV-Beiträge für die kommenden Jahre verheißt nichts Gutes. „Die Beiträge für Nicht-Beamte werden sich in den nächsten zehn Jahren fast verdoppeln“, ließ er schon 2017 gegenüber der Welt am Sonntag in einem Statement verlauten.

Wer profitiert überhaupt von der privaten Krankenversicherung?

Prinzipiell können sich Beamte, Selbstständige, Studenten und Freiberufler privat versichern, wenn sie es möchten. Ihnen steht die Wahl komplett frei. Beamte, die Beihilfe beziehen, sind jedoch praktisch gezwungen, sich zusätzlich privat zu versichern. Des Weiteren können auch Angestellte in die private Krankenversicherung eintreten, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Für ein paar Berufsgruppen lohnt sich die private Krankenversicherung weiterhin – trotz steigender Prämien.

Beamte

Wer als Staatsdiener Beihilfe von seinem Dienstherrn bezieht, bekommt von diesem einen 50 prozentigen Zuschuss zu den Beiträgen für die private Krankenkasse. Würden Beamte jedoch freiwillig in der GKV bleiben, entfiele dieser Zuschuss und die Beiträge müssten zu 100 Prozent aus eigener Tasche finanziert werden. Nachzulesen gibt es diese Regelung in § 257 des Sozialgesetzbuches V. Durch den üppigen Zuschuss zu den Krankheitskosten lohnt es sich für Beamte de facto immer, eine private Krankenversicherung abzuschließen (private Krankenversicherung Beamte).

Studenten

Für Studenten gibt es in der PKV passend zugeschnittene Studententarife. Vor allem Studenten, deren Eltern Beamte sind, können hierbei stark profitieren, denn sie erhalten eine 80 prozentige Beihilfe vom Dienstherrn ihrer Eltern. Die Entscheidung für die private Krankenversicherung für Studenten ist verbindlich für die Dauer des Studiums. Anschließend können die frischgebackenen Akademiker wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln, wenn sie es wollen oder eine Notwendigkeit besteht. Es lohnt sich, die Studententarife zu vergleichen (private Krankenversicherung Studenten Test).

Junge, alleinstehende Gutverdiener

Die private Krankenversicherung lohnt sich allgemein für junge und gesunde Leute unter 40, deren Familienplanung keine Kinder vorsieht und die bereits ein Vermögen angesammelt haben und sehr gut verdienen. Die Beiträge der in der PKV richten sich nach dem Gesundheitszustand des Versicherten. Deshalb gilt: Je früher und gesünder in die PKV gewechselt wird, desto niedriger sind die Beiträge. Im Umkehrschluss können die Beträge im Alter jedoch, je nach Gesundheitszustand, stark steigen. Deshalb ist ein großes Vermögen in Verbindung mit einem risikoarmen Beruf für einen Eintritt in die PKV mehr als empfehlenswert.

Für wen es sich nicht lohnt

Im Umkehrschluss ist es ratsam für über 40-jährige mit Familie in der GKV zu bleiben, vor allem auch, weil für jedes Kind einzeln ein separater Tarif in die PKV abgeschlossen werden müsste. Ein erneuter Wechsel in die GKV, zum Beispiel wenn die Beiträge doch zu teuer werden, ist nur sehr schwer umsetzbar und ab dem 55. Lebensjahr praktisch unmöglich. Ausnahmen bestehen bei der Jobaufgabe, wenn der Ehepartner gesetzlich versichert ist. Dann besteht ein Anspruch auf die Familienversicherung. Weitere Ausnahmen bilden die Elternzeit, in der zur GKV gewechselt werden kann und wenn Selbstständige wieder als Angestellte arbeiten. Jedoch alles nur bis zum 55. Lebensjahr. Der Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Krankenkasse sollte äußerst gut überlegt und alle individuellen Vor- und Nachteile gründlich abgewägt sein.

Woher kommt die Unzufriedenheit mit der PKV?

Im Auftrag der Barmer GEK, der größten gesetzlichen Krankenkasse Deutschlands, hat die TNS Infratest mit einer Umfrage die Zufriedenheit der privat Versicherten mit ihrer PKV ermittelt. Ein Drittel der Befragten war demnach nicht von den Vorteilen der PKV überzeugt. Elf Prozent der Befragten würden sogar nicht noch einmal in die PKV einsteigen. (Quelle)

Als Hauptgrund wurde dabei die Erhöhung der Prämien genannt, die viele privat Versicherte nicht mehr tragen wollen oder können. Der am zweithäufigste genannte Grund war, dass bestimmte Leistungen von der privaten Krankenversicherung nicht erstattet werden. Weitere Gründen sind eine sehr lange Dauer bis zur Rückerstattung der Arztkosten und der Verwaltungsaufwand, den Versicherte in der privaten Krankenversicherung haben.

Beiträge für Neukunden erheblich gestiegen

Nicht nur Bestandskunden sind von Beitragserhöhungen betroffen. Vor allem Neukunden, die in die private Krankenversicherung wechseln wollen, müssen ab jetzt tiefer in die Tasche greifen. Die Prämien für Neukunden sind bis zu 38 Prozent gestiegen, wie im Falle des Tarifs “Vital300-U” von AXA. Die Neukundenprämien bei der Allianz sind dagegen um durchschnittlich 17,15 Prozent gestiegen. Auch für Jugendliche, die in die PKV wechseln steigen die Beiträge deutlich, wie bei der Barenia. Die Tarife „einsA expert 1“ und „einsA prima 1+“ steigen beispielsweise um 18 Prozent.

Gründe für die hohe Anpassung

Der Hauptgrund für die hohe Anpassung der PKV-Beiträge ist die andauernde Niedrigzinsphase. Durch diese wird von den Versicherern geringere Einnahmen am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Die Differenz fehlt nun, um Beitragserhöhungen im Alter abzufangen. Die Folge sind höhere Prämien für Neukunden, die den Verlust ausgleichen sollen.

Ein weiterer Grund ist der medizinische Fortschritt, der mit immer höheren Kosten einhergeht. Kosten, die in die Beiträge der privat Versicherten einkalkuliert werden müssen.

Zudem wird in der PKV mit jedem geleisteten Beitrag eine Altersrücklage gebildet, die die höheren Gesundheitskosten im Alter abdeckt. Da die Lebenserwartung der Bevölkerung stetig steigt und damit auch die Arzneimittelausgaben, müssen die Beiträge angepasst werden, um die zusätzlichen Kosten abzudecken.

Versicherungsexperte Alexander Vorgerd meint:

“Ich denke nicht, dass mit der kommenden Regierung die PVK abgeschafft und die Bürgerversicherung eingeführt wird, da die Union zu sehr am dualen System festhält. Zudem bin ich der Meinung, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung darunter leiden würde. Durch die Einführung der Bürgerversicherung würde der Wettbewerb stagnieren und nur noch sehr langsam medizinische Neuerungen fördern.”

Fazit

Ob die PKV eine Zukunft hat, wird sich in den nächsten Jahren noch nicht rausstellen. Die positiven und negativen Argumente von Parteien und Verbänden halten sich die Waage. Alle Augen richten sich nun auf das Hamburger Modell. Es bleibt abzuwarten, wie die Veränderungen des Versicherungssystems sich in der Praxis bewähren.

 

Dieser Artikel wurde zuletzt am 26.04.2019 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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