Nach Grippewelle: Vierfach Grippeimpfung nun auch für gesetzlich Versicherte

Zuletzt aktualisiert am 07.05.2018

Grippewelle 2018Nach dem Ende der schweren Grippewelle wurde der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung angepasst. In der kommenden Grippesaison erhalten nun auch gesetzlich Versicherte den wirksameren Vierfach-Impfstoff mit der Grippeimpfung.

Ende der Grippesaison 2017/2018 bestätigt

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza und das Robert-Koch-Institut haben Mitte April bestätigt, dass das Ende der Grippesaison 2017/2018 in Sicht ist. Knapp 1.100 Todesopfer forderte die Grippewelle.
Nachdem die Ständige Impfkommission und die Weltgesundheitsorganisation bereits Anfang des Jahres entsprechende Empfehlungen ausgesprochen haben, ist der Vierfach-Impfstoff nun auch im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung verbindlich verankert.

Gesetzliche Versicherte bisher benachteiligt

Von der Ständigen Impfkommission wurde bisher keine verbindliche Regelung formuliert, ob für die Grippeimpfung der Drei- oder Vierfach-Impfstoff zu verwenden ist. Die Krankenkassen konnten dies nach eigenem Ermessen entscheiden. Die meisten gesetzlichen Krankenversicherungen zahlten nur die Grippeimpfung mit dem Dreifach-Wirkstoff. Versicherte, die den Vierfach-Impfstoff wollten, mussten diesen selbst bezahlen.

Der entscheidende Virustyp fehlte

In der aktuellen Grippesaison 2017/2018 stammten rund 75 Prozent der nachgewiesenen Grippeinfektionen laut Verband der Privaten Krankenversicherung jedoch von einem Virustyp, der in der Dreifach-Impfung fehlt. Somit bot die Grippeimpfung keinen effektiven Schutz (Quelle).

Vierfach-Impfstoff – wirksamere Grippeimpfung jetzt auch für GKV-Patienten

In der kommenden Grippesaison 2018 / 2019 haben nun auch gesetzlich Versicherte einen verbindlichen Anspruch auf den wirksameren Vierfach-Impfstoff. Das bestätigte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seiner Pressemitteilung vom 5. April 2018. Er folgt damit einer Empfehlung der STIKO vom 11. Januar 2018.
Die Ständige Impfkommission hatte sich dafür ausgesprochen, der Grippewelle 2018 / 2019 mit dem Vierfach-Impfstoff zu begegnen, der die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Antigenkombination verwendet.

Die Grippeimpfung – Schutz als Kassenleistung

Seit dem 1. April 2007 gehören Schutzimpfungen zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Jedoch werden die Kosten nicht für alle Impfungen übernommen. Für die Aufnahme einer neuen Schutzimpfung in den Leistungskatalog muss die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Empfehlung aussprechen.

Leistungen der Privaten Krankenversicherung

Die Grippeschutzimpfung ist ebenfalls standardmäßig Teil der Private Krankenversicherung Leistungen. Im Gegensatz zu GKV-Mitgliedern steht privat Versicherten jedoch grundsätzlich der Vierfach-Impfstoff zu. Die privaten Krankenversicherer übernahmen bereits in der zurückliegenden Saison die Kosten für die Vierfach-Impfung.

Leichter an innovative Behandlungen mit der PKV

In der Gesetzlichen Krankenversicherung gilt der so genannte Erlaubnisvorbehalt. Das heißt, erst wenn der Gemeinsame Bundesausschuss eine Neuerung als wirksam und wirtschaftlich anerkannt hat, kann diese Innovation in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen werden. Diesen Erlaubsnisvorbehalt gibt es in der privaten Krankenversicherung nicht.
Versicherte der PKV können eine neue Behandlung beantragen, sobald eine Innovation auf den Markt kommt und wissenschaftlich anerkannt ist. Besteht eine medizinische Notwendigkeit, ist die Abrechnung der neuen Leistung möglich.

Grippewelle 2018: Eine Zwischenbilanz

Das Robert-Koch-Institut hat bestätigt, dass das Ende der Grippewelle 2017/2018 in Sicht ist. Gleichzeitig teilte das Landesgesundheitsamt mit, dass die aktuelle Grippewelle eine der schwersten der letzten Jahre sei. Die Zahl der Todesfälle in der Grippesaison 2017/2018 ist erschreckend hoch. 1.095 Todesopfer wurden bis Ende April gezählt.
Diese Zahlen umfassen dabei nur diejenigen Opfer, die nachweislich an der Grippe starben und in der Statistik der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) gelistet sind. In der Aufstellung des AGI sind nur laborbestätigte Fälle erfasst. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher.

Hintergrund: Die beteiligten Akteure

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts

Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) wurde bereits 1992 gegründet. 2001 übernahm das Robert-Koch-Institut (RKI) die wissenschaftliche Leitung. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die “zeitnahe ganzjährige Überwachung und Berichterstattung des Verlaufs und der Stärke der Aktivität akuter Atemwegserkrankungen”. Auf Grundlage der erfassten Daten spricht die AGI Empfehlungen zur Verhütung und Behandlung der Influenza aus (Quelle).

Gemeinsamer Bundesausschuss

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestimmt, welche medizinischen Leistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden. Es handelt sich dabei um das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Über Richtlinien wird der Leistungskatalog der GKV festgelegt. Der G-BA orientiert sich bei der Festlegung der Richtlinien unter anderem an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Ständige Impfkommission

Die Ständige Impfkommission wurde 1972 beim Bundesgesundheitsamt eingerichtet. Sie entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland. Dabei wird der Nutzen sowohl für das geimpfte Individuum als auch für die gesamte Bevölkerung berücksichtigt. Seit 2007 sind die Empfehlungen der STIKO Grundlage für die vom G-BA festgelegten Schutzimpfungsrichtlinien.

Fragen zur Grippeimpfung

Die Grippeimpfung ist gerade für bestimmte Risikogruppen ein wichtiger Gesundheitsschutz, den man jährlich erneuern muss. Es gibt allerdings Umstände unter denen die Impfung nicht durchgeführt werden sollte. Wichtige Fragen zur Grippeimpfung kurz und knapp beantwortet.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren sich jährlich gegen die Grippe zu impfen. Weiterhin gilt die Empfehlung für Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung. Dazu zählen:

  • Personen mit einem Grundleiden (z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane oder Diabetes)
  • Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen
  • Personen, die Risikopersonen gefährden könnten (z.B. durch Bewohnen desselben Haushaltes)
  • Schwangere ab dem 2. Drittel der Schwangerschaft

Darüber hinaus gibt es für folgende Berufsgruppen eine Impfempfehlung:

  • medizinisches Personal
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln

Ab wann ist die Grippeimpfung wirksam?

Der Impfschutz ist etwa 10 bis 14 Tage nach der Grippeimpfung vollständig aufgebaut.

Ab wann Grippeimpfung 2018 vornehmen lassen?

Die optimale Zeit für die Grippeimpfung liegt laut STIKO in den Monaten Oktober und November. Doch auch späteres Impfen, selbst im Verlauf der Grippewelle, kann eine Impfung noch sinnvoll sein.

Grippeimpfung: Was ist drin?

Der Vierfach-Impfstoff setzt sich aus vier, von der WHO empfohlenen Antigenen zusammen. Die verwendeten Antigene können auf der Seite der Weltgesundheitsorganisation eingesehen werden. Die Entscheidung zur Zusammensetzung der Grippeimpfung stammt bereits von Ende Februar 2018. Da der Impfstoff in einem langwierigen Produktionsverfahren hergestellt werden muss, entscheidet die WHO bereits weit vor Beginn der Grippesaison über die jeweilige Antigenkombination.

Privatpatienten und gesetzlich Versicherte gleichgestellt – zumindest beim Grippeschutz

Nachdem die Vierfach-Impfung in der nächsten Grippesaison nun auch verbindlich von der Gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird, sind die gesetzlich Versicherten zumindest im Bereich Grippeimpfung den Privatversicherten gleichgestellt und besser für die Grippewelle 2018/2019 gewappnet.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 07.05.2018 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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