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Führt Videospielen zu Übergewicht?

Zahl der Übergewichtigen steigt: Gesetzgeber und Krankenversicherer steuern gegen
Meta-Studie untersucht Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Videospielen

Eine Meta-Studie der Universität Würzburg geht der Frage auf den Grund, ob das Körpergewicht negativ von Videospielen beeinflusst wird. Ihr Ergebnis: Die These stimmt – jedoch vor allem bei Erwachsenen und auch dann nur mit Einschränkungen.


Machen Videospiele dick? Wer ist betroffen?

Wenn man über die gesundheitlichen Auswirkungen von stundenlangem Videospielen liest, denken viele erst einmal an Kinder und Jugendliche. Doch stimmt das Bild überhaupt?

Computer- und Videospiele gibt es bereit seit Jahrzehnten. Daher sind die Hauptnutzer schon lange nicht mehr nur Teenager. Viele der heutigen Erwachsenen sind bereits mit Computerspielen aufgewachsen und haben zum Teil selbst viele Stunden vor Computerbildschirmen verbracht.

Betroffen sind eher Erwachsene

Professor Markus Appel, Kommunikationspsychologe an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg kommt nach Auswertung verschiedener Studien zu folgendem Ergebnis: „Die Studienlage bei Kindern und Jugendlichen widerspricht dem Stereotyp, bei Erwachsenen gibt es kleine Zusammenhänge zwischen Computerspielen und Körpermasse“ (Quelle).


Meta-Studie wertet vorliegende Ergebnisse aus

Diese Erkenntnis beruht auf den Ergebnis der 2019 veröffentlichten Meta-Studie – erstellt von Wissenschaftlern der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Johannes-Kepler-Universität Linz und dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg.

Die Wissenschaftler werteten 20 unterschiedlichen Studien mit mehr als 38.000 Teilnehmern aus. Alle Studien befassten sich mit dem Thema Videospiele und Körpergewicht, kamen dabei jedoch teilweise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Begriffsklärung Meta-Studie

Eine Meta-Studie führt verschiedene bereits erstellte Studien zusammen, vergleicht die Ergebnisse und wertet diese als Kollektiv aus. Meta-Studien werden erstellt, da es zu wichtigen wissenschaftlichen bzw. gesellschaftsrelevanten Themen häufig sehr viele Studien gibt, die zum Teil zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Ergebnissen kommen.

Zusammenhang zwischen Videospielen und Übergewicht nur gering

Die Wissenschaftler konnten nur einen geringen Zusammenhang zwischen Videospielen und individueller Körpermasse feststellen. Ihr Ergebnis: Nur etwa ein Prozent des individuellen Übergewichtes ist mit dem Hobby Videospielen erklärbar. Zusätzlich ist diese Verbindung nur bei Erwachsenen nachweisbar.

Professor Markus Appel vermutet, dass fettleibigere Personen beim Übergang ins Erwachsenenalter eher ihrem Hobby Videospielen treubleiben. Für andere Heranwachsende werden vermutlich andere Freizeitangebote wichtiger.

Studienhintergrund

Das Forscherteam aus Würzburg, Linz und Bamberg hat bei der aktuellen Analyse ausschließlich sogenannte nicht-aktive Videospiele berücksichtigt. Videospiele, wie Wii-Sports oder Pokémon Go, die mit Bewegung verbunden sind, blieben bewusst außen vor.

Studientitel: Exploring the myth oft he chubby gamer: A meta-analysis on sedentary video gaming and body mass. Caroline Marker, Timo Gnambs, Markus Appel. Social Science and Medicine, 2019

Zahl von Übergewichtigen steigt

2017 war mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Das Ergebnis basiert auf Zahlen des Mikrozensus 2017. Auch wenn die Meta-Studie keinen klaren Zusammenhang zwischen Videospielen und Übergewicht nachweisen konnte, ist doch eine Erkenntnis, dass wer viel Zeit mit Videospielen verbringt, weniger Zeit für Sport hat.


Versicherungen und Regierung fördern gesunde Lebensweise

Sowohl der Gesetzgeber als auch die Krankenversicherer reagieren auf die steigenden Zahlen von Übergewichtigen. Das im Jahr 2016 verabschiedete Präventionsgesetz nimmt u. a. gesetzliche und private Krankenversicherungen in die Pflicht, verstärkt in die Gesundheitsförderung und Prävention der Versicherten zu investieren.

Förderansatz der gesetzlichen Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen fördern Mitgliedschaften in Sportvereinen, Fitnessstudios und Laufgruppen. Auch bestimmte Kurse können bezuschusst werden.

Ansatz der privaten Krankenversicherungen

Private Krankenversicherungen arbeiten beim Thema Prävention eher indirekt. Gesunde Lebensweise und Vorsorge werden hier vor allem über Beitragsrückerstattungen gefördert.

Sind Gewicht und Cholesterin-Werte (ärztlich bestätigt) im gesunden Bereich sind Beitragsrückerstattungen ebenso möglich wie für Nichtraucher.

Spezielle Gesundheitsprogramme für Risikogruppen

Speziell an ältere Versicherte wendet sich beispielsweise das Präventionsprogramm “Älter werden in Balance”, dass auf einer Kooperation des Verbandes der Privaten Krankenversicherer und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beruht. Auf der Online-Plattform werden u. a. Möglichkeiten vorgestellt, wie sich Bewegung in den Alltag integrieren lässt. Es können aber auch ganze Trainingsprogramme abgerufen werden. Zusätzlich findet sich hier eine Datenbank mit zertifizierten Kursen, die sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Krankenversicherern bezuschusst werden.

Präventionsleistungen nutzen

Wer die finanzielle Unterstützung seiner Krankenversicherung nutzen möchte, sollte vorab einen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen. Nicht jeder Vertrag sieht die Erstattung von Präventionskursen bzw. die Förderung von gesundheitsbewusstem Verhalten vor.

Leistungen verschiedener PKV-Anbieter im Überblick

Bonus-System der Axa

Die Axa hat ein Bonus-System entwickelt, über das Versicherte Bonus-Zahlungen für eine gesunde Lebensweise (Nichtrauchen, BMI) und Sportaktivitäten wie dem Ablegen eines Sportabzeichens erhalten. Mit dem “gesundheitsservice360°” haben Versicherte der Axa zudem eine Rundum-Begleitung bei Fragen zum Thema Gesundheit.

Allianz schult ihre Versicherten

Die Allianz bietet Coachings zu gesunder Ernährung, Umgang mit Stress und das Kieser-Trainingsprogramm für einen gesunden Rücken an. Zuschüsse zu Sportkursen oder ähnlichem gibt es allerdings nicht. Nur wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliegt, sind Erstattungen für medizinisch notwendige Sport- und Gesundheitskurse möglich.

Ergo setzt auf individuelle Beratung

Bei der privaten Krankenversicherung der Ergo erhalten Versicherte u. a. eine individuelle Beratung und Empfehlungen für Fitnessmöglichkeiten.

Beitragsrabatte bei der Hanse Merkur

Die Hanse Merkur bietet einen 10-prozentigen Beitragsrabatt an, wenn Versicherte z. B. einen guten BMI oder gute Blutfettwerte nachweisen.

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