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Krankenversicherung in Zeiten des Coronavirus

Diese Regelungen gelten jetzt in der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung

Während einer globalen Pandemie ist wohl keine Versicherung wichtiger als die Krankenversicherung. In Deutschland ist grundsätzlich jeder Mensch krankenversichert und hat einen Anspruch auf medizinische Behandlung, auch bei einer Covid-19-Erkrankung. Im Anschluss geben wir einen kleinen Überblick darüber, welche Regelungen bei privaten und gesetzlichen Krankenkassen jetzt gelten und welche Leistungen wann bezahlt werden.


Wer bezahlt den Corona-Test?

Bisher galt die Regelung, dass sowohl die privaten als auch die gesetzlichen Krankenkassen einen Corona-Test dann bezahlen, wenn er vom behandelnden Arzt oder Gesundheitsamt angeordnet wurde. Hierfür musste ein begründeter Verdacht bestehen, dass man mit dem Coronavirus infiziert sein könnte (zum Beispiel bei Kontakt zu einer infizierten Person, Aufenthalt in einem Risikogebiet und passenden Symptomen). Wollte man sich auf eigene Faust lediglich vorsorglich testen lassen, musste man die Kosten zwischen 150 und 300 Euro selbst bezahlen.

Diese Regelung wird jedoch voraussichtlich bald überholt sein. Die Bundesregierung hat im Mai 2020 ein neues Gesetz vorgestellt (in den Medien als “neues Pandemie-Gesetz” bezeichnet), das vorsieht, dass zumindest die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) auch verpflichtet sein werden, Corona-Tests zu bezahlen, wenn eine Person keine Symptome aufweist. So soll es z.B. möglich werden, verstärkt präventiv in Pflegeheimen zu testen, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Dem Gesetz wurde bereits von Bundestag und Bundesrat zugestimmt, es sollte somit in Kürze in Kraft treten.


Wie funktioniert die Krankschreibung?

Wer glaubt, am Coronavirus erkrankt zu sein, sollte auf keinen Fall in eine Arztpraxis gehen, sondern zunächst beim Hausarzt anrufen. Dieser entscheidet dann, ob ein Coronavirus-Test notwendig ist, und wird das weitere Vorgehen koordinieren. Wichtig ist, bei Verdacht auf Covid-19 in jedem Fall vorsorglich zu Hause zu bleiben, um nicht weitere Menschen anzustecken.

Aktuell stellen Hausärzte außerdem auch bei allen anderen Erkältungskrankheiten Krankschreibungen aus, auch wenn die erkrankte Person nicht persönlich in der Praxis vorstellig war. Bis zum 31. Mai 2020 gilt eine Sonderregel, nach der man sich auch telefonisch krankschreiben lassen kann. Dies ist für bis zu 7 Tage möglich, und kann nach Ablauf der ersten Woche um weitere 7 Tage verlängert werden. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den Arbeitgeber kommt dann per Post, die Versichertendaten können per Telefon durchgegeben werden. Dasselbe Verfahren gilt auch für die Krankschreibung, wenn Kinder krank sind. Dies soll helfen, unnötige Kontakte und damit Ansteckungen zu vermeiden.


Wie läuft eine Corona-Infektion ab?

Da das Virus mit der offiziellen Bezeichnung “SARS-CoV-2” noch relativ neu ist, ist seine Erforschung noch nicht abgeschlossen. Es gibt ständig neue Erkenntnisse, darum kann dieser Text nur eine kurze Zusammenfassung des aktuellen Standes bieten. Alle aktuellen Informationen finden Sie auf der Website des Robert-Koch-Instituts. Was feststeht, ist, dass durch die Neuheit des Virus keine Immunität in der Bevölkerung besteht und es sich damit besonders schnell verbreitet.

Symptome und Verlauf

Die Symptome variieren stark, von Verläufen ganz ohne Symptome bis hin zu sehr schweren Erkrankungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen und sogar zum Tod führen können. Die häufigsten Symptome sind:

  • Fieber
  • Husten
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Halsschmerzen
  • allgemeines Schwächegefühl

Die Verläufe sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Während manche nur sehr leichte oder gar keine Symptome spüren, entwickelt sich bei anderen innerhalb weniger Tage eine Lungenentzündung, die im schlimmsten Fall im Krankenhaus behandelt werden muss. Die schweren Verläufe machen aber nur etwa 5% der Fälle aus. Besonders gefährdet sind ältere Menschen (ab 50) und Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen (wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Krebs) oder einem geschwächten Immunsystem.

Langzeitfolgen von Covid-19

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass Menschen, die eine schwere Coronavirus-Infektion überstanden haben, auch danach noch mit Langzeitfolgen der Krankheit zu kämpfen haben. Eine häufige Folge ist die Lungenfibrose, bei der Gewebe in der Lunge vernarbt. Betroffene leiden unter Kurzatmigkeit und verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit. Bei schweren Verläufen, bei denen Patienten unter Umständen sogar künstlich beatmet werden mussten, zeigen sich schwere Folgeschäden neben der Lunge auch an anderen Organen, wie an Nieren, Herz oder Gehirn. Aufgrund der bisher geringen Datenlage ist dies aber noch längst nicht abschließend erforscht. Wie lange Betroffene tatsächlich unter den Spätfolgen der Virus-Infektion leiden müssen ist noch unklar.


Neuheiten in der Patient-Arzt-Beziehung

Das Coronavirus verlangt in vielen Bereichen nach einer Umstellung gewohnter Abläufe. Dies trifft ganz besonders auf das Gesundheitswesen zu, wo viele Abläufe nun reformiert und technisch modernisiert werden sollen.

Arztbesuch per Videokonferenz

Eine Neuheit für viele ist sicherlich die Möglichkeit des Arztbesuches per Videokonferenz. Viele Ärzte bieten inzwischen Videosprechstunden an oder haben diesen Service nun stark ausgeweitet. Dies ist auch einer neuen Übereinkunft der kassenärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbandes geschuldet. Zuvor war Ärzten nämlich ein Limit vorgeschrieben, wie viele Sprechstunden sie auf digitalem Wege durchführen bzw. mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen konnten (normalerweise durften Ärzte und Psychotherapeuten nur jeden fünften Patienten auf digitalem Weg beraten). Dieses Limit ist nun aufgehoben, zumindest für das 2. Quartal 2020. So ist es nur noch dann notwendig, tatsächlich eine Praxis aufzusuchen, wenn das medizinisch dringend erforderlich ist.

Private Krankenversicherungen bieten häufig weiteren Service

Auch private Krankenversicherungen bezahlen natürlich grundsätzlich digitale Sprechstunden. Manche bieten dies sogar als speziellen Service rund um die Uhr an – per Videokonferenz, Chat oder Telefon. Bei manchen privaten Krankenkassen gibt es z.B. auch spezielle Videosprechstunden zum Thema Coronavirus. Wenn während des Gesprächs der Verdacht entsteht, dass der Patient mit Covid-19 infiziert sein könnte, schickt der Versicherer dem Patienten ein Corona-Testkit nach Hause, mit dem dieser selbständig einen Test durchführen kann. Die Probe schickt er dann selbst zur Analyse an ein Labor und erhält das Ergebnis im Anschluss zugeschickt. Ob diese Leistung angeboten und die Kosten übernommen werden, hängt vom Versicherer und dem gewählten Tarif ab.


Regelungen in der privaten Krankenversicherung

Was passiert, wenn ich Corona bekomme und krank werde?

Die private Krankenversicherung (PKV) zahlt alle Kosten, die zur Behandlung einer Corona-Infektion medizinisch notwendig sind, genau wie dies bei anderen Infekten der Fall ist. Dies gilt sowohl für ambulante als auch stationäre Behandlungen im Krankenhaus.

Erstattet die PKV die Kosten für Schutzausrüstung?

Nein. Die Kosten für Desinfektionsmittel, Mund-Nasen-Masken und ggf. weitere Mittel zum Schutz vor Ansteckung werden nicht von der privaten Krankenversicherung übernommen. Die PKV bezahlt nur, was medizinisch notwendig und von einem Arzt verordnet wurde.

Zahlt meine Krankentagegeldversicherung?

Wer selbständig tätig ist, hat im Krankheitsfall keine Absicherung durch eine Lohnfortzahlung. Hier greift die Krankentagegeldversicherung. Wenn man am Coronavirus erkrankt ist, zahlt die Versicherung pro Tag den vereinbarten Betrag aus. Dies gilt jedoch nur, wenn tatsächlich eine Erkrankung besteht, nicht, wenn man sich lediglich aus Vorsicht in Quarantäne begibt, und dadurch Einnahmeausfälle entstehen. Einen Ausnahmefall gibt es jedoch: Wenn das Gesundheitsamt angeordnet hat, dass man sich in Quarantäne begeben muss, dann besteht möglicherweise Anspruch auf eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz. Diese muss man bei der zuständigen Behörde beantragen.

Zahlt meine PKV, wenn ich im Ausland an Corona erkranke?

Der Versicherungsschutz privater Krankenkassen gilt normalerweise neben Deutschland in allen anderen EU-Ländern und den Ländern des europäischen Wirtschaftsraums (Island, Liechtenstein und Norwegen). Darüber hinaus kommt es auf den jeweiligen Tarif an. Manche Tarife gewähren einen weltweiten Schutz für einen Monat, drei Monate oder sogar unbegrenzt. Vor einer Auslandsreise sollte aber jeder Versicherte dringend seinen Vertrag überprüfen, ob ein Auslandsreisekrankenschutz enthalten ist. Wenn nicht, sollte dieser vor einer längeren Reise ins EU-Ausland dringend dazugebucht werden – und zwar vor der Abreise.

Besteht Versicherungsschutz, dann sollte der Versicherer im Normalfall die Kosten für die Corona-Behandlung übernehmen. Versicherer bezahlen dabei nur die Leistungen, die sie auch in Deutschland bezahlen würden, aber dies ist meist mehr als ausreichend. In der aktuellen Situation gilt allerdings, dass dringend angeraten wird, nach Deutschland zurückzukehren, wenn man sich im Ausland aufhält. Falls man sich in einem Land aufhält, das schwer vom Coronavirus getroffen wurde, und in dem die Kapazitäten des Gesundheitssystems überlastet sind, kann sonst nicht für die bestmögliche Behandlung garantiert werden. Auch der Versicherer kann dann nicht mehr viel erreichen. Ob die PKV einen Rücktransport nach Deutschland bezahlt, hängt vom Tarif ab. Normalerweise gilt diese Leistung aber auch nur dann, wenn man im Aufenthaltsland nicht angemessen behandelt werden kann.

Auslands­reise­kranken­versiche­rung und Pandemie

Achtung: Manche privaten Auslands­reise­kranken­versiche­rungen zahlen nicht im Fall einer Pandemie. Die WHO hat das Coronavirus als solche klassifiziert, das heißt, nicht alle Versicherer übernehmen die Kosten für die Behandlung. Ob Ihr Versicherer Pandemien als Versicherungsfall ausschließt, können Sie in den Versicherungsbedingungen nachlesen.

Kann ich nach einer Corona-Infektion von der GKV in die PKV wechseln?

Wenn alle sonstigen Bedingungen für einen Wechsel in die PKV erfüllt sind, dann kann man auch nach einer überstandenen Corona-Infektion in die private Krankenversicherung wechseln. Eventuell muss die Infektion dann allerdings beim Antrag bei den Gesundheitsfragen angegeben werden. Wie genau die Versicherer dies handhaben, und ob dies Auswirkungen auf die Beiträge oder Leistungen hat, kann im Moment allerdings noch niemand sagen.

Was passiert, wenn ich meine Beiträge nicht mehr zahlen kann?

Viele Selbständige und Freiberufler sind in der Corona-Krise besonders gefährdet, in finanzielle Notlagen zu geraten, da ihr Einkommen direkt von ihrer Tätigkeit abhängt. Wenn sie diese aufgrund der behördlichen Verbote nicht mehr ausüben können, Aufträge ausbleiben oder Kunden aus Angst vor Ansteckung fernbleiben, dann sinkt das monatliche Einkommen schnell auf Null. Wer in einer solchen Situation keine Rücklagen hat, kann schnell die Beiträge für die private Krankenversicherung nicht mehr zahlen.

In einem solchen Fall sollte man sich unbedingt rechtzeitig an seinen Versicherer wenden. Grundsätzlich sind Versicherer in der aktuellen Pandemie-Situation sensibilisiert für die Probleme. Auch hat der Gesetzgeber eine Regelung getroffen, dass Versicherte bis zum 30. Juni 2020 das Recht haben, die Beiträge nicht zu zahlen, ohne dass der Versicherungsschutz verloren geht. Danach sind die fehlenden Beiträge dann allerdings fällig. Bei den meisten Versicherern sollte es aber möglich sein, eine Beitragsstundung oder Ratenzahlung zu vereinbaren.

Wechsel in den Basistarif – und zurück – möglich

Mit dem neuen Pandemie-Gesetz hat die Bundesregierung im Mai auch eine Verbesserung für privat Versicherte auf den Weg gebracht. Das Gesetz sieht vor, dass Versicherte, die wegen einer coronabedingten finanziellen Notlage in den Basistarif ihrer PKV wechseln, später ohne Gesundheitsprüfung wieder in ihren ursprünglichen Tarif zurückwechseln können. Voraussetzung hierfür ist, dass die finanziellen Schwierigkeiten innerhalb von drei Jahren überwunden sind und die Rückkehr innerhalb von drei Monaten nach Ende dieser Phase beantragt wird.


Regelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung

Was passiert, wenn Arbeitgeber die Krankenkassenbeiträge für ihre Angestellten nicht mehr zahlen können?

Nicht nur Solo-Selbständige können während der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten; auch Betriebe aller Größen kann es schwer treffen, wenn beispielsweise die Firma komplett geschlossen werden muss und auf absehbare Zeit keine Einnahmen mehr hereinkommen. Dann kann es unter Umständen auch schwer werden, die Sozialversicherungsbeiträge für die Angestellten pünktlich zu entrichten, gerade wenn die Situation vorher schon nicht gut aussah.

Unternehmen, die Kurzarbeit beantragt haben oder andere Hilfsmaßnahmen der Regierung nutzen, können die Sozialversicherungsbeiträge stunden oder Ratenzahlungen mit den Versicherern vereinbaren. Hierzu sollten sie die jeweiligen Versicherer kontaktieren und einvernehmliche Regelungen treffen.

Können auch freiwillig Versicherte ihre Beiträge stunden?

Auch Selbständige, die freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, können Beiträge stunden oder Ratenzahlungen vereinbaren. Dies gilt auch für die anderen gesetzlichen Sozialversicherungen.

Was passiert, wenn ich im Ausland Corona bekomme?

Grundsätzlich gilt, dass man natürlich auch im Ausland gegen Covid-19 behandelt wird. Zudem muss man bei einer nachgewiesenen Erkrankung den dortigen Quarantänebestimmungen folgen und sich an die Regeln halten. Ob die Behandlung von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt wird, hängt davon ab, in welchem Land man sich aufhält. Die gesetzliche Krankenversicherung bietet Versicherungsschutz nur für Deutschland und das EU-Ausland. Allerdings zahlt sie im EU-Ausland nur das, was die dortigen Krankenversicherungen auch bezahlen würden. Das heißt, es kann ein Eigenanteil zu tragen sein, und der Versicherer kann zusätzlich Verwaltungskosten abziehen. Privatärztliche Rechnungen zahlt die GKV grundsätzlich nicht. Falls man im EU-Ausland an Covid-19 erkrankt, ist es darum wahrscheinlich, dass die Krankenversicherung zwar die Kosten für die Behandlung übernimmt, aber es ist möglich, dass man draufzahlen muss.

Krankenversicherungsschutz außerhalb der EU

Im Ausland außerhalb der EU besteht kein Versicherungsschutz durch die GKV. Hat man keine Auslands­reise­kranken­versiche­rung abgeschlossen, muss man darum alle anfallenden Kosten für Ärzte, Krankenhäuser oder Medikamente selbst bezahlen. Auch einen Rücktransport nach Deutschland, selbst wenn dieser medizinisch notwendig ist, bezahlt die GKV nicht. Während der Corona-Pandemie besteht von Seiten der Bundesregierung die dringende Aufforderung, nicht zu reisen, bzw. so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren. Die medizinische Versorgung kann im Ausland schlechter ausfallen als in Deutschland, zudem ist auch eine Rückkehr ins Land unter Umständen mit Schwierigkeiten verbunden.

Auch Auslands­­reise­­kranken­versiche­­rungen zahlen nicht immer

Hat man eine Auslands­­reise­kranken­versiche­rung abgeschlossen, so zahlt diese die Corona-Behandlung weltweit. Allerdings sind bei manchen Versicherern Pandemien und Epidemien in den Versicherungsbedingungen ausgeschlossen. Zudem können die Versicherer es von einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes abhängig machen, ob sie die medizinische Versorgung in entsprechenden Ländern bezahlen. Bis zum 14. Juni 2020 gilt eine allgemeine Reisewarnung der Regierung. Das hieße im Extremfall, dass die Versicherer, die dies in ihren Bedingungen ausgeschlossen haben, gar keine Kosten für Corona-Behandlungen übernehmen. Gute Chancen hat man, wenn man im Ausland von der Pandemie überrascht wurde; wer jetzt allerdings ins Ausland reisen will oder muss, sollte sich ganz genau bei seinem Versicherer informieren, was bezahlt wird. Nicht dringend notwendige Reisen sollte man unbedingt verschieben.


Welche Versicherung brauche ich jetzt?

Sollte ich noch schnell von der GKV in die PKV wechseln, bevor ich krank werde?

Nur aufgrund der Sorge vor einer Corona-Infektion in die private Krankenversicherung zu wechseln ergibt keinen Sinn. Die Versorgung von Corona-Patienten ist in der gesetzlichen Krankenversicherung genauso gut wie in der privaten; lediglich bei der Behandlung von langfristigen Nachwirkungen der Krankheit könnten sich möglicherweise Unterschiede ergeben, aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Fall eintritt, ist höchst gering.

Der Wechsel in die private Krankenversicherung ist eine Grundsatzentscheidung, die vieles nach sich zieht. Es handelt sich hierbei um ein ganz anderes Versorgungssystem als die gesetzliche Krankenversicherung, darum sollte man diesen Schritt nicht ohne reifliche Überlegung machen. Zudem müssen die Voraussetzungen erfüllt sein (man arbeitet selbständig oder verdient dauerhaft über der Versicherungspflichtgrenze von 62.550 Euro im Jahr).

Sollte ich jetzt schnell eine Kranken­tagegeld­versiche­rung abschließen?

Eine Kranken­­tage­geld­versicherung ist eine essenzielle Absicherung für privat versicherte Selbständige, denn sie ersetzt das Krankengeld, das gesetzlich Versicherte erhalten, wenn sie länger krank sind. Auch gesetzlich Versicherte können eine Kranken­tage­geld­versicherung abschließen – dies kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn man Gutverdiener ist und das gesetzliche Krankengeld nicht zur Sicherung des Lebensunterhaltes ausreichen würde. Ein Abschluss ist für Selbständige und manche Angestellte darum grundsätzlich sehr sinnvoll.

Wenn man die Versicherung mit Blick auf Corona jetzt allerdings kurzfristig abschließen möchte, dann muss einem bewusst sein, dass bei den meisten Versicherern eine Wartezeit gilt. Das heißt, wenn man jetzt eine Krankentagegeldversicherung abschließt, zahlt diese frühestens nach der festgelegten Zeit – oft drei Monate – das Krankentagegeld aus. Bei einer akuten Krankheit nützt es einem darum nichts.


Was passiert, wenn ich gar keine Krankenversicherung habe?

Deutschland ist grundsätzlich ein Land, in dem jeder Mensch verpflichtet ist, in einer Krankenversicherung Mitglied zu sein. Aber auch hier gibt es natürlich Lücken im System, denn ob man seiner Versicherungspflicht nachkommt, wird nicht überprüft. Oft sind es Selbständige oder Freiberufler, die aufgrund ihrer Tätigkeit keiner Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung mehr unterlagen, sich aber auch nie bei einer privaten Krankenversicherung angemeldet haben oder dort irgendwann die Beitragszahlung eingestellt haben.

Da nicht überprüft wird, ob jemand versichert ist, können Menschen lange Zeit ohne Versicherungsschutz leben. In jedem Fall gilt aber: In Deutschland wird niemandem eine notwendige ärztliche Behandlung verwehrt. Im Notfall wird man also natürlich auch ohne Versicherung gegen Covid-19 behandelt, auch im Krankenhaus, wenn nötig.

Beitragszahlungen müssen nachgeholt werden

In Zeiten der Corona-Krise gibt es Anzeichen, dass diese Menschen sich jetzt verstärkt wieder um Absicherung bemühen, um im Fall einer Covid-19-Erkrankung geschützt zu sein. Das Problem für viele: Die Pflicht zur Beitragszahlung entfällt nicht. So müssen Krankenversicherungsbeiträge für die letzten fünf Jahre (alles davor verjährt) nachgezahlt werden. Diese hohen Schulden auf einen Schlag zu bezahlen ist für die meisten Betroffenen nicht möglich. Ein Recht auf Ratenzahlung gibt es allerdings leider nicht.

Lösungen für privat Versicherte

Privat Versicherte, die schon vor 2009 in der PKV versichert waren, können über den sogenannten Notlagentarif ihres Versicherers wieder Versicherungsschutz bekommen. In diesem deutlich günstigeren Tarif landen automatisch alle, die auch nach der zweiten Mahnung ihre Beitragsrückstände nicht bezahlt haben. Wenn die Schulden getilgt sind, können Betroffene wieder in ihren ursprünglichen Tarif zurückkehren.

Für alle, die nach 2009 in die PKV gewechselt sind, steht nur der Basis-Tarif offen, der teurer ist als der Notlagentarif (und aus dem man nicht mehr so leicht in den alten Tarif zurückkehren kann). Gerade jetzt in der Corona-Krise, in der viele Selbständige unter Einkommenseinbußen zu leiden haben, gibt es aber viele Bestrebungen, die Situation von privat Versicherten mit geringem Einkommen zu verbessern. Eine Maßnahme zur leichteren Rückkehr aus dem Basistarif hat der Gesetzgeber bereits beschlossen.


Welche Auswirkungen hat Kurzarbeit auf den Versicherungsschutz?

In der schwierigen wirtschaftlichen Lage aufgrund der Corona-Krise greifen viele Unternehmen auf das Instrument der Kurzarbeit zurück. Dieses kann genutzt werden, wenn eine Firma die Produktion einschränken muss, zum Beispiel weil aufgrund von ausbleibenden Lieferungen nicht weiter gearbeitet werden kann. Auch eine staatliche Schließung des Betriebes ist ein valider Grund.

Auf den Sozialversicherungsschutz der Arbeitnehmer hat Kurzarbeit keine Auswirkungen, auch die Versicherungspflicht bleibt bestehen. Es entstehen auch keine Nachteile durch geringere Beitragszahlungen, zum Beispiel in die Arbeitslosenversicherung.

Bei privat Versicherten

Durch kurzfristige Einkommensausfälle während der Corona-Krise verlieren privat Versicherte nicht ihren Anspruch auf Versicherung in der PKV. Bei Kurzarbeit bleibt das eigentliche Gehalt bestehen und wird nur als zeitlich befristete Maßnahme gesenkt. Selbst wenn das Gehalt des Arbeitnehmers unter die Versicherungspflichtgrenze fällt, entsteht keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Auch den Arbeitgeberzuschuss zur privaten Krankenversicherung erhalten Angestellte weiterhin. Der Zuschuss orientiert sich dabei an dem noch tatsächlich gezahlten Lohn und ist wie üblich begrenzt auf die Hälfte des Krankenkassenbeitrags. Zusätzlich gibt es, ähnlich wie bei gesetzlich Versicherten, einen Zuschuss auf das Kurzarbeitergeld. Der Gesamtzuschuss kann nicht höher sein als der tatsächlich gezahlte Beitrag für die PKV.

Bei gesetzlich Versicherten

Alle, die in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind, haben durch Kurzarbeit keine Nachteile bei den gesetzlichen Sozialversicherungen zu fürchten. Der Krankenversicherungsschutz besteht weiterhin. Dies gilt auch dann, wenn die Arbeit komplett ruht und der Arbeitnehmer selbst gar keine Beiträge mehr zahlt.

Bei Angestellten, die freiwillig gesetzlich versichert sind, weil sie oberhalb der Versicherungspflichtgrenze verdienen, gilt dasselbe. Zusätzlich zahlt hier der Arbeitgeber noch Beiträge auf das Kurzarbeitergeld, die er aber nach einer aktuell begrenzt geltenden Regelung von der Bundesagentur für Arbeit wieder zurückbekommt.

Was passiert, wenn man in Kurzarbeit krank wird?

Wer krank wird, während er in Kurzarbeit ist, erhält die übliche Lohnfortzahlung über sechs Wochen hinweg vom Arbeitgeber – allerdings nur den sogenannten Kurzlohn. Im Anschluss übernimmt die Krankenversicherung bei gesetzlich Versicherten und zahlt das Krankengeld aus. Dieses wird so berechnet als gäbe es keine Kurzarbeit. Bei privat Versicherten, die eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben, zahlt diese nach sechs Wochen die vereinbarten Beiträge aus.

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