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Cannabis als Medizin: Kostenübernahme auch durch PKV nicht garantiert

Kostenerstattungen für medizinisches Cannabis in der Privaten Krankenversicherung möglich
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Cannabis als Medizin - Kostenübernahme nicht garantiert

Es gibt zahlreiche Befürworter der Legalisierung von Cannabis, sowohl in der Bevölkerung als auch unter Fachleuten. Eine Zulassung als alternative Therapieform ist dennoch ungewiss, trotz zahlreicher Hinweise. Eine Patientenbefragung soll nun mehr Klarheit bringen.

Demonstrationen für Legalisierung von Cannabis

In mehr als 25 deutschen Städten gingen allein im Mai 2017 vermutlich rund 10.000 Menschen auf die Straße, um für die Legalisierung von Cannabis zu demonstrieren. Die Demos laufen z. T. unter Namen wie Global Marijuana March oder Legalisierung macht Sinn und werden häufig von lokalen Organisationen ins Leben gerufen.

Lobbyverbände und Aktivisten argumentieren seit Jahren gegen das Verbot von Cannabis-Erzeugnissen. Entsprechend begründet der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, Georg Wurth, die Forderung nach Legalisierung: „Ein legaler Markt für Cannabis ermöglicht nicht nur Jugend- und Verbraucherschutz, sondern auch Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Das Verbot dagegen schafft einen illegalen Schwarzmarkt mit Streckmitteln, Kriminalität und freiem Zugang für Jugendliche.“ (Pressemitteilung des Hanfverbands vom 20.04.2017)


Seit März 2017 können Patienten auf Rezept und über die Apotheke Cannabis-Präparate legal beziehen. Ärzten und Kranken wurden durch die Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung zusätzliche Therapieformen ermöglicht. Im Fokus der Reform stehen Patienten, die von starken Schmerzen, Schlafstörungen, Depressionen oder anderen schweren Krankheiten betroffen sind. Ihnen soll der erleichterte Zugang zu Medikamenten auf Cannabis-Basis eine Linderung ihrer Leiden verschaffen.

Doch auch in Zukunft soll Cannabis als Medizin nicht die erste Wahl sein. Es soll eine zusätzliche Therapieoption bleiben, für Fälle, in denen herkömmliche Medikamente wie Opiate keine ausreichende Wirkung zeigen. Die Entscheidung für eine cannabisbasierte Behandlung liegt nicht länger bei der Kontrollbehörde für Arzneimittel. In Zukunft geht es nach der medizinischen Einschätzung der Ärztinnen und Ärzte.


Kostenübernahme nicht garantiert

Zwar erleichterte die Reform der Bundesregierung den Zugang zu Cannabis-Medikamenten. Die Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung ist für viele Patienten jedoch weiterhin eine Hürde. Denn die Krankenkassen behalten sich vor, über die Kostenübernahme zu entscheiden. Zur Erstattung der Behandlungskosten sind sie vom Gesetzgeber nicht gezwungen.

Haben Patienten nach der Einschätzung ihrer Krankenversicherung andere Therapieformen noch nicht ausgeschöpft, wird die Behandlung mit Cannabis nicht erstattet. Das gilt für die gesetzlichen Krankenkassen wie für private Krankenversicherungen gleichermaßen. Für Letztere ist im § 4 der Musterbedingungen geregelt, dass Arzneimittel medizinisch allgemein als wirksam anerkannt sein müssen. Zusätzlich kommt die private Krankenversicherung für die Kosten auf, wenn alternative Arzneimittel aufgrund ihres Behandlungserfolgs in der Praxis zum Einsatz kommen, ohne dass es entsprechende schulmedizinische Methoden gibt.


Umfrage zu Erfahrungen von Patienten gestartet

Neben den Patienten, die sich dank der Gesetzesänderung über eine Kostenübernahme für Cannabis-Präparate freuen konnten, gibt es auch zahlreiche Ablehnungen. Vor diesem Hintergrund hatte die Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (IACM) im April 2017 eine Umfrage durchgeführt. Patienten waren dazu aufgerufen, Angaben zu ihren Erfahrungen mit den Reaktionen der Krankenkassen und mit Ärzten zu machen. (Link zur Umfrage der IACM)


PKV-Verband begrüßte Cannabis-Reform

Bereits im September 2016 begrüßte der Verband der Privaten Krankenversicherung die Gesetzesreform. Dass fortan die Entscheidung beim Arzt und nicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegt, bewertete der Verband positiv. Außerdem begrüßte der Verband ausdrücklich, dass die Gesetzesänderung den notgedrungenen Eigenanbau von Cannabis beenden würde. (Stellungnahme des PKV vom 19.09.2016)

Als die veränderte Gesetzeslage noch im Entwurfsstadium war, übernahmen Anbieter der privaten Krankenversicherung bereits die Kosten für die Therapie mit Cannabis-Präparaten. Auch der Import von Arzneimitteln aus dem Ausland wurde vor der Reform schon unter bestimmten Voraussetzungen erstattet. Über den Umfang bestimmen nach wie vor die jeweiligen tariflichen Vereinbarungen.

„Eine Kostenübernahme von Cannabisblüten und weiteren Cannabisarzneimitteln durch die PKV kann…, abhängig vom jeweiligen Tarif, grundsätzlich bejaht werden.“ (PKV-Verband 09/2016)

Die oben genannten Einschränkungen gelten trotz der grundsätzlichen Bejahung der Kostenübernahme auch für Patienten mit privater Krankenversicherung. Wie immer ist auch hier der Einzelfall entscheidend.


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Cannabis als Droge

Die gesetzliche Einschränkung von Cannabis als Medizin wird mit seiner Rolle als Droge begründet. So gehört es zu den etablierten Ansichten, dass Cannabis eine Einstiegsdroge ist und besonders Jugendliche vor den Wirkungen der Abhängigkeit zu schützen sind. Schließlich sind die gravierensten Folgen regelmäßigen Konsums in der Kindheits- und Jugendphase zu verzeichnen.

Kritiker werfen dieser Drogenpolitik vor, Cannabis ohne vernünftigen Grund auf eine Stufe mit sogenannten „harten Drogen“ zu stellen. Cannabis sei demnach keine Einstiegsdroge und führe auch nicht automatisch zum Konsum von Heroin, Crytal Meth und anderen stark abhängig machenden Stoffen. Allerdings fordern auch Kritiker der traditionellen Cannabis-Politik einen effektiven Jugendschutz durch staatlich reguliertes, legales Cannabis. Oft wird dabei der Vergleich zum Umgang mit Tabakwaren und Alkohol gezogen.

Kontrolle des Cannabis-Anbaus

Es ist nicht das einzige Ziel der Bundesregierung gewesen, chronisch Kranken durch Zugang zu Cannabis als Medizin Linderung zu verschaffen. Der zusätzlich angestrebte Effekt der Gesetzesänderung war das Ende des privaten Anbaus von Cannabis-Pflanzen. In Einzelfällen hatten es Gerichte nämlich den Betroffenen erlaubt, zumindest vorübergehend selbst Cannabis anzubauen, um sich therapieren zu können.

Durch die jüngste Reform wurde diese Ausnahme faktisch hinfällig. In Zukunft soll staatlich kontrollierter Anbau die Quelle für Arzneimittel sein. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schritt in Richtung vollständiger Legalisierung. Kritiker hingegen bevorzugen den freien Anbau durch Privatpersonen. In beiden Fällen ist den Patienten insgesamt am besten gedient, wenn nach einheitlichen und staatlich kontrollierten Qualitätsstandards Cannabis angebaut wird.

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