Freiwillig krankenversichern

In Deutschland ist jeder Bürger zum Abschluss einer Krankenversicherung verpflichtet. Hierbei kann er zwischen mehreren Versicherungsmöglichkeiten wählen. Entweder er entscheidet sich für eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung oder aber tritt der privaten Krankenversicherung bei. Darüber hinaus hat sich auch ein dritte Form als optionale Absicherungsmöglichkeit herauskristallisiert: die freiwillige Krankenversicherung.

Versichertenkreis der freiwilligen Krankenversicherung

Die freiwillige Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenversicherung wird jeder Person zuteil, die nicht unter die allgemeine Versicherungspflicht fällt oder die Versicherungspflicht in der Krankenkasse beendet hat. Damit muss sich diese Personengruppe fortan um eine eigene Versicherung kümmern. In dem Zusammenhang können sie entweder freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert bleiben oder entscheiden sich für eine Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung.

Dabei können insbesondere folgende Personengruppen von ihrem Recht der freiwilligen Versicherung Gebrauch machen:

Fristen in der freiwilligen Krankenversicherung

Überschreiten Arbeitnehmer die Jahresarbeitsentgeltgrenze in Höhe von 57.600 Euro, bleiben sie auch weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, wenn sie der Mitteilung der Krankenkasse innerhalb von zwei Wochen nicht widersprochen haben. Im Gegensatz dazu müssen alle anderen Arbeitnehmer ihrer Krankenkasse, den Wunsch zur Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung schriftlich mitteilen. Die Frist zur schriftlichen Unterrichtung der Krankenkasse beträgt drei Monate nach Ende der Pflichtmitgliedschaft.

Versicherungsbeiträge in der freiwilligen Krankenversicherung

Für die Berechnung der Versicherungsbeiträge wird grundsätzlich das Einkommen des Versicherten zugrundegelegt. Diese Regelung betrifft auch freiwillig gesetzlich Versicherte, wie zum Beispiel Selbständige, Freiberufler und nicht sozialversicherungspflichtig angestellte Personen. Anders als bei anderen Arbeitnehmern ist für die Berechnung der Versicherungsbeiträge nicht nur das jeweilige Einkommen entscheidend. Vielmehr ziehen sie auch andere Einkunftsarten heran, wie zum Beispiel Einkünfte aus Kapitalvermögen und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Auswahl zwischen zwei Beitragssätzen

Entschließen sich Selbständige oder Freiberufler zur freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung, können sie zwischen zwei unterschiedlichen Beitragssätzen wählen: dem allgemeinen Beitragssatz und dem ermäßigten Beitragssatz. Der allgemeine Beitragssatz sieht die Zahlung von Krankengeld ab der siebten Krankheitswoche vor. Dieser beträgt 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Zu dem Beitragssatz gesellt sich der von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich angesetzte Zusatzbeitrag.
Ausgehend von einem monatlichen Einkommen in Höhe von 2.178,75 Euro beträgt der monatliche Beitrag zur Krankenversicherung 318,10 Euro. Im Gegensatz dazu offenbart der ermäßigte Beitragssatz ein Verzicht auf Krankengeld, sodass lediglich 14 Prozent plus Zusatzbeitrag anfallen.

Fiktives Mindesteinkommen für Geringverdiener

Wie bereits erläutert, wird zur Berechnung der Versicherungsbeiträge das Einkommen des Versicherten als Bemessungsgrundlage herangezogen. Jedoch ist es nicht möglich, dem Einkommen einen beliebige Wert zuzuordnen. In dem Zusammenhang müssen selbst Arbeitnehmer, die weniger oder gar nichts dazuverdienen, Beiträge für ein fiktives Mindesteinkommen entrichten.

Höhe des fiktiven Mindesteinkommens

Im Jahr 2016 lag das Mindesteinkommen für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung bei jährlich 968,33 Euro. Versicherte mit entsprechender Einstufung zahlen einen monatlichen Versicherungsbeitrag von 137,57 Euro plus Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung. Liegt das monatliche Einkommen über dem Wert des fiktiven Einkommens, müssen Versicherungsbeiträge auf das gesamte Einkommen entrichtet werden. Dabei wird das Einkommen jährlich auf Grundlage der aktuellsten Steuererklärung (Private Krankenversicherung steuerlich absetzbar) geprüft. Eine Anpassung seitens der Krankenkasse erfolgt erst bei Vorlage des Steuerbescheids. Stellt sich heraus, dass der Versicherte entweder zu viel oder zu wenig gezahlt hat, können weder Erstattungen noch Nachzahlungen wirksam gemacht werden.

Bei geringem Einkommen Antrag auf Beitragsanpassung stellen

Befindet sich die Verdiensthöhe unter dem fiktiven Mindesteinkommen, sollten Versicherte einen Antrag auf Beitragsanpassung stellen. Begründet das monatliche Einkommen einen niedrigen Versicherungsbeitrag, wird die Krankenkasse der Ermäßigung stattgeben. Gleiches Vorgehen betrifft auch die Selbständigen. Bei Ausfall des erforderlichen Umsatzes können Selbständige einen Antrag auf Änderung der Beitragshöhe stellen. Hierbei lässt sich der entgangene Umsatz mit einem Vorauszahlungsbescheid oder einem Nachweis der Finanzverwaltung bestätigen.

Rentner in der freiwilligen Krankenversicherung

In der Regel sind Rentner und Rentenantragssteller in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert, wenn eine entsprechende Vorversicherungszeit erfüllt wird. Dahingehend muss vom Beginn der Erwerbstätigkeit bis zur Antragsstellung für mindestens 9/10 der zweiten Hälfte ein Krankenversicherungsschutz bestanden haben. Im Rahmen ihrer Anrechnung werden sowohl Zeiten der Pflichtmitgliedschaft, der freiwilligen Mitgliedschaft und der Familienversicherung berücksichtigt.

Voraussetzungen für die freiwillige Krankenversicherung

Erfüllen Rentner die erforderlichen Beitragsjahre für die Krankenversicherung der Rentner nicht, haben sie immer noch die Möglichkeit, sich freiwillig krankenzuversichern. Hierfür müssen sie lediglich eine der zwei Voraussetzungen erfüllen:

  • in den letzten fünf Jahren bestand eine 24 Monate andauernde Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung
  • Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Pflichtversicherung seit einem Jahr

Höhe der Krankenkassenbeiträge

Der Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung wird nach dem allgemeinen Beitragssatz errechnet. Diese Herangehensweise erscheint Rentnern oftmals ein Dorn im Auge, da sie keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Berechnungsgrundlage für die zu zahlenden Versicherungsbeiträge bilden unter anderem die gesetzliche Rente, Versorgungsbezüge und das Arbeitseinkommen – bis zu einem Höchstbetrag von 4.237,50 Euro. Die Einkünfte aus der gesetzlichen Rente werden zu gleichen Teilen in Höhe von 7,3 Prozent vom Rentner und dem Rentenversicherungsträger geleistet.

Rentner mit Arbeitseinkommen werden zur Kasse gebeten

Hingegen müssen Rentner mit Versorgungsbezügen oder Arbeitseinkommen den Beitragssatz von 14,6 Prozent aus eigener Tasche zahlen. Bei Beitragsrechnung freiwillig Versicherter werden auch Größen, wie Zinsen, Mieten und sonstige beitragspflichtige Einnahmen berücksichtigt. Diese sind mit dem ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent abzuführen.

Studierende in der freiwilligen Krankenversicherung

Der Abschluss einer freiwilligen Krankenversicherung kann auch von Studenten in Erwägung gezogen werden, die das 14. Fachsemester oder ihr 30. Lebensjahr vollendet haben. Mit Eintritt einer dieser Ereignisse sind Studenten nicht mehr über die Krankenversicherung der Studenten abgesichert, sodass eine freiwillige Krankenversicherung unausweichlich erscheint. Demgegenüber müssen sich Studierende an Berufsakademien oder in dualen Studiengängen  häufig freiwillig krankenversichern, da sie vom Abschluss einer studentischen Krankenversicherung ausgeschlossen sind.

Basistarif der privaten Krankenversicherung für freiwillig Versicherte

Mit Inkrafttreten einer weiteren Gesundheitsreform wurde am 01.01.2009 der Basistarif ins Leben gerufen. Da sich die Beiträge und Versicherungsleistungen an dem Versorgungskonzept der gesetzlichen Krankenversicherung orientieren, ist dieser Versicherungsschutz häufig vorteilhafter, als die freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse. Dabei ist jede private Krankenversicherung dazu verpflichtet, den Basistarif in ihr Versicherungsportfolio aufzunehmen und auch anzubieten. Der Basistarif hält in etwa denselben Versicherungsschutz bereit, wie eine gesetzliche Krankenversicherung. In dem Zusammenhang darf der Basistarif den Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenversicherung nicht überschreiten.

Besonders für gut verdienende Angestellte geeignet

Diese Art von Versicherungsschutz ist insbesondere gut verdienenden Angestellten sehr zu empfehlen. Dabei erfolgt die Berechnung der Versicherungsbeiträge unabhängig vom Einkommen. Lediglich das Alter, Geschlecht und die Risikogruppe werden zur Berechnung der Versicherungsbeiträge herangezogen. Versicherte, die im Besitz einer freiwilligen Krankenversicherung sind und den Basistarif beantragen, müssen von der privaten Krankenversicherung aufgenommen werden.

Unterschied zwischen freiwillige Krankenversicherung und Pflichtversicherung

Die freiwillige Krankenversicherung stellt das Pendant zur Pflichtversicherung dar. Einige Personen haben lediglich die Möglichkeit innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung versichert zu werden, während andere mit der Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung vorlieb nehmen müssen. Ein Sonderfall bilden Arbeitnehmer, deren Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze von 56.250 Euro liegt. Erklären sie ihren Austritt nicht innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Mitteilung, bleiben sie in der bestandenen Versicherung weiterhin freiwillig krankenversichert.

Beginn und Ende der freiwilligen Krankenversicherung

Die freiwillige Krankenversicherung beginnt mit dem Ende der Pflichtversicherung oder Familienversicherung. Ansonsten mit dem Datum des Beitritts. Im Gegensatz dazu endet die freiwillige Krankenversicherung mit dem Zugang einer schriftlichen Kündigung (Private Krankenversicherung kündigen) , dem Tod oder dem Abschluss einer Pflichtversicherung. Die Auflösung der freiwilligen Krankenversicherung wird nur mit Nachweis einer anderen anschließenden Versicherung erreicht.

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