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Der Google-Hypochonder – Wenn das Internet krank macht

Wann das "Krankheiten-googeln" gefährlich werden kann
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Google-Hypochonder

Wer kennt es nicht: Statt zum Arzt zu gehen oder auf das eigene Immunsystem zu vertrauen, wird nach Krankheitssymptomen im Internet gesucht. Fast jeder hat schon einmal Ursachen für Krankheitsbeschwerden gegoogelt. Dieser Vorgang kann sich jedoch schnell von einer harmlosen Suche zu einer Sucht entwickeln.

Denn das Internet bietet einen perfekten Ort für Hypochonder: Egal, welche Symptome man sucht, irgendwo im Internet gibt es sicher einen Beleg dafür, dass man an einer schweren Erkrankung leidet. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen von „Cyberchondrie“ befallen sind. Sie prüfen im Internet ihre oft harmlosen Symptome und stehen dabei Todesängste aus.

Das Internet: Fundgrube für Hypochonder

Im Internet finden Menschen mit hypochondrischer Veranlagung schnell die Bestätigung für ihre eingebildeten Krankheiten, was die Ängste noch verstärkt. Aus harmlosen Kopfschmerzen wird dadurch schnell ein Gehirntumor, aus Magenschmerzen eine unheilbare Autoimmunkrankheit. Das Internet kann hierbei nicht nur als Verstärker der Hypochondrie agieren, es kann gesunde Menschen auch erst zu Hypochondern machen. Denn hat man einmal mit der Suche nach Krankheitssymptomen angefangen, kann man sich in den Untiefen des „Internets der Krankheiten“ schnell verlieren. So entsteht dann die sogenannte „Cyberchondrie“, auch „Morbus Google“ genannt.


Deutschland: Land der Hypochonder

Laut Schätzungen von Experten leiden in Deutschland knapp 10 Prozent der Bevölkerung an Krankheitsängsten. Als berühmtester bekennender Vertreter der Hypochondrie gilt hierzulande Harald Schmidt. Lustig ist diese Krankheit jedoch nicht, die Betroffenen befinden sich in ständiger Angst vor einer schwerwiegenden Erkrankung. Dies kann dazu führen, dass sich die Symptome noch verschlimmern, weshalb Hypochondrie auch durchaus als ernstzunehmende Krankheit anzusehen ist. Hypochonder können sich oft nicht mehr auf Beruf und Familie (Private Krankenversicherung für Familien) konzentrieren, weil die Angst vor Krankheiten ihr gesamtes Leben bestimmt.

Nicht jede Symptomsuche ist krankhaft

Nicht jeder, der ein Symptom im Internet sucht, leidet an Cyberchondrie. Denn sich um die eigene Gesundheit zu sorgen, und Symptome zu googeln, ist ein natürlicher Vorgang. Erst wenn die Suche nach möglichen Krankheiten einen festen Platz im Leben einnimmt und krankhaft wird, kann man von Hypochondrie bzw. Cyberchondrie sprechen. Als Faustregel gilt, dass man sich an einen Psychologen wenden sollte, wenn die Angst vor Krankheiten und die Suche nach Symptomen länger als ein halbes Jahr anhält.

Cyberchondrie statt Hypochondrie

Laut US-Forschern ersetzt die heutige „Cyberchondrie“ in vielen Fällen die Hypochondrie. Sie stellt quasi eine verstärkte Form der Hypochondrie dar. Dabei verbindet sich Internetsucht mit der Angst, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden. Die Betroffenen sitzen dabei meist stundenlang vor dem Computer und suchen nach den Ursachen für vorhandene oder eingebildete Krankheitssymptome. Der Cyberchonder befragt, statt einem Arzt, lieber das Internet. Deshalb ist Cyberchondrie auch oft gefährlicher als Hypochondrie, denn es wird in der Regel kein Fachmann befragt und im schlimmsten Fall eine Selbstmedikation durchgeführt. Ein Arzt kann dem Hypochonder zur Seite stehen und ihm erklären, dass er nicht krank ist, während dem Cyberchonder nur das Internet zur Seite steht und weiter seine Ängste schürt.


Therapieformen bei Cyberchondrie

Da die Erkrankung an Cyberchondrie mittlerweile keine Seltenheit mehr ist, gibt es für dieses Krankheitsbild bereits Therapieformen, die von einigen Therapeuten für Betroffene angeboten werden. In den meisten Fällen bekommen Erkrankte Achtsamkeits- und Akzeptanztrainings verordnet, bei denen sie lernen sollen, wieder ein gesundes Verhältnis zum Internet zu bekommen. Dabei wird die Benutzungsdauer auf eine bestimmte Zeit beschränkt. Das gleiche gilt für den Arztbesuch: Der Arzt darf zwar in regelmäßigen Abständen aufgesucht werden, jedoch nicht aufgrund eines bestimmten Symptoms. Statt zu Googeln oder den Arzt aufzusuchen, sollen sich Betroffene bei schlimmen Panikattacken an einen Psychologen wenden. Denn meist hat die Angst vor Krankheiten tiefsitzende psychologische Ursachen. Oft sind Erfahrungen aus der Kindheit wie überfürsorgliche Eltern oder Belastungen im Alltag Auslöser für das Krankheitsbild. Ist der Betroffene privat versichert, werden in der Regel die Kosten für alle Therapieformen von der Krankenversicherung übernommen. Welche PKV im Test am besten abschneidet, erfahren Sie hier. 


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Anlaufstellen für Cyberchondrie und Hypochondrie

Universität Mainz, Poliklinische Institutsambulanz für Psychotherapie, Behandlungsschwerpunkt Hypochondrie und Krankheitsangst, Wallstraße 3, 55122 Mainz, Dipl.-Psych. Maria Gropalis, E-Mail: gropali@uni-mainz.de, Internet: www.psychotherapie-mainz.de/krankheitsangst.html
Philipps-Universität Marburg, Dr. rer. nat. Gaby Bleichhardt, Dipl.-Psych.Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie, Putenbergstraße 18, D-35037 Marburg, Tel.:+49 (0)6421 282-3691, E-Mail: bleichha@staff.uni-marburg.de, Internet: http://www.psychotherapie-mainz.de/hypochondrie-und-krankheitsangst.html
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, Ambulanz für Krankheitsangst und Hypochondrie, J 5, 68159 Mannheim, E-Mail: info@zi-mannheim.de, Internet: www.zi-mannheim.de/ambulanzhypochondrie.html
Universität Frankfurt am Main, Institut für Psychologie, Verhaltenstherapie-Ambulanz, Varrentrappstraße 40–42, 60486 Frankfurt am Main, E-Mail: vt-ambulanz@psych.uni-frankfurt.de

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