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Private Krankenversicherung für Grenzgänger

Lohnt sich die private Krankenversicherung für Grenzgänger? Und worauf muss man besonders achten

Das Wichtigste in Kürze

  • Trotz vieler EU-weit geltender Regelungen unterscheidet sich das Kranken­versicherungs­system einzelner Länder mitunter recht deutlich.
  • Schweizer Grenzgänger müssen weitere Besonderheiten beachten. Sie können sich in der Schweiz oder in Deutschland versichern.
  • Die Entscheidung für ein Versicherungsland ist in der Regel bindend.
  • Eine gute Absicherung für den Krankheitsfall gewährt eine spezielle private Krankenversicherung für Grenzgänger.
  • In aktuellen Tests zur privaten Krankenversicherung gehen die Anbieter Barmenia, SDK und Münchener Verein als Sieger hervor.

Was müssen Sie beim Abschluss einer PKV für Grenzgänger beachten?

Eine private Krankenversicherung (PKV) für Grenzgänger verspricht eine leistungsstarke Absicherung und Gestaltungsspielraum im Versicherungsschutz. Bevor Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie sich aber von der Krankenversicherungspflicht in Ihrem Beschäftigungsland befreien lassen. Den entsprechenden Antrag sollten Sie bereits einige Wochen vor Ihrem Arbeitsantritt stellen. Entscheiden Sie sich für einen deutschen PKV-Tarif, sollten Sie zudem rechtzeitig abklären, ob Ihr Arbeitgeber diesen auch akzeptiert.

Vor Versicherungsabschluss ist außerdem zu klären, welchen Leistungsumfang die PKV im Beschäftigungsland überhaupt abdeckt. Viele private Krankenversicherungen begrenzen ihren Versicherungsschutz für Auslandsaufenthalte zum Beispiel auf eine bestimmte Verweildauer. Halten Sie sich länger im Ausland auf und benötigen medizinische Hilfe, bekommen Sie die Kosten nicht mehr ersetzt. Für diesen Fall ist eine private Auslandskrankenversicherung zuständig.

Alternativ können Sie häufig auch eine private Krankenversicherung im Beschäftigungsland abschließen. Der Leistungsumfang unterscheidet sich allerdings oft deutlich von einer deutschen PKV. Eventuell werden weitere Zusatzversicherungen nötig. Achten Sie darauf, dass eine soziale Pflegeversicherung eingeschlossen ist. Für private Krankenversicherungen im Ausland gelten zudem häufig andere Beitragsbemessungsgrenzen als in Deutschland. Die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze in Deutschland beträgt pro Monat 4.537,50 Euro (Stand 2019).

Wenn Sie eine private Krankenversicherung für Grenzgänger benötigen, nutzen Sie das folgende Kontaktformular: Unsere Versicherungsfachleute helfen Ihnen weiter.


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Grenzgänger-Versicherungen

Wie sind die Familien von Grenzgängern krankenversichert?

Die private Krankenversicherung für Grenzgänger bietet die Möglichkeit, nicht beschäftige Familienmitglieder mitzuversichern. Arbeiten Eltern in unterschiedlichen Ländern, sind Kinder in dem Land mitversichert, in dem die Familie ihren Wohnsitz hat.


Entscheidung für das Versicherungsland ist bindend

Haben Sie sich einmal dazu entschieden, in welchem Land Sie sich versichern lassen wollen, ist diese Entscheidung bindend. Auch bei Wechsel des Arbeitgebers oder des Arbeitsortes besteht meist keine Möglichkeit mehr, zur Krankenversicherung im jeweils anderen Land zu wechseln. Ausnahmen gelten nur bei Änderungen des Familienstands oder der Geburt eines Kindes. Die Wahl der privaten Krankenversicherung für Grenzgänger will daher gut überlegt sein.

Experten-Tipp:

Wer braucht eine private Krankenversicherung für Grenzgänger?

Grenzgänger sind Personen, die in einem Land leben und in einem Nachbarland arbeiten. Viele Deutsche zieht es zum Arbeiten zum Beispiel in die Schweiz oder nach Österreich. Statt ihren Wohnsitz komplett ins Beschäftigungsland zu verlegen, kehren sie täglich oder zumindest einmal wöchentlich nach Deutschland zurück.

Als unselbständig beschäftigter Grenzgänger werden Sie in der Regel automatisch im Beschäftigungsland krankenversichert. Benötigen Sie die Leistungen Ihrer Krankenversicherung im Wohnland, weisen Sie Ihren Leistungsanspruch mittels des Vordrucks E 106/ S1 nach. Ausnahmen von dieser Regel gelten lediglich, wenn Sie von Ihrer Firma zum Arbeiten ins Ausland entsendet werden. Auch nicht entsendete Grenzgänger können sich allerdings dafür entscheiden, eine Krankenversicherung in Deutschland abzuschließen. Zur Wahl steht der Beitritt in eine gesetzliche Krankenkasse oder der Abschluss einer privaten Krankenversicherung (PKV).

PKV für Grenzgänger zwischen Deutschland und Österreich

Das Krankenversicherungssystem in Deutschland und Österreich ist relativ ähnlich, es gibt aber ein paar bedeutende Unterschiede: Private Krankenversicherungen gibt es in Österreich nur als Zusatzversicherung. Anders als in Deutschland besteht in Österreich zudem keine freie Krankenkassenwahl. Die Versicherung wird abhängig von der Region und der Tätigkeit zugeteilt. Für Arbeiter und Angestellte sind die Gebietskrankenkassen (GKK) zuständig. Von ihrer Krankenversicherung erhalten sie eine E-Card, auf der ihre persönlichen Daten gespeichert sind. Die E-Card können Grenzgänger auch bei Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten in Deutschland vorlegen.

Die Beitragssätze zur GKK sind etwas niedriger als in Deutschland, allerdings gelten mehr Selbstbehalte. Das macht oft den Abschluss privater Zusatzversicherungen notwendig. Dazu gehört beispielsweise die Sonderklasse-Versicherung, die bei Krankenhausaufenthalten bessere Konditionen bietet. Weitere Zusatzpolicen übernehmen die Kosten für Zahnbehandlungen, Kuren und alternative Heilmethoden.

Grenzgänger nach Österreich: Deutsche PKV ist oft die bessere Wahl

Den Versicherungsträger Ihrer Zusatzpolicen können Sie in Österreich frei wählen, die Beiträge sind allerdings vergleichsweise hoch. Leben Sie in Deutschland und arbeiten in Österreich, ist der Abschluss einer deutschen privaten Krankenversicherung für Grenzgänger häufig die günstigere Wahl.

Versicherung für Österreicher mit Arbeitsplatz in Deutschland

Wohnen Sie in Österreich und gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland nach, müssen Sie sich in einer deutschen Krankenversicherung versichern. Ihr Arbeitgeber übernimmt die Anmeldung sowie einen Teil der Kosten. Eine private Krankenversicherung können Sie als Arbeitnehmer erst ab einem Bruttojahreseinkommen von 60.750,00 Euro abschließen (Stand 2019).


PKV für Grenzgänger zwischen Deutschland und der Schweiz

Genau wie in Deutschland besteht in der Schweiz Krankenversicherungspflicht. Wer in Deutschland lebt und in der Schweiz arbeitet, ist grundsätzlich auch in der Schweiz versicherungspflichtig. Als Arbeitnehmer haben Sie drei Möglichkeiten:

1. Sie treten der gesetzlich anerkannten Schweizer Krankenversicherung bei. 

Der Grenzgänger tritt automatisch in den EU/EFTA-Tarif nach bilateralem Abkommen der schweizerischen Pflichtversicherung ein, solange er keine adäquate Versicherung in Deutschland nachweisen kann. Die Schweizer Grundversicherung (KVG) übernimmt die Grundversorgung bei Behandlungen in der Schweiz gemäß Schweizer Sozialrecht sowie bei Behandlungen in Deutschland nach deutschem Recht.

Bei Behandlungen in der Schweiz sind ein Selbstbehalt von 10 Prozent sowie ein festgelegter Betrag, die Franchise, zu zahlen. In der Regel beträgt die Franchise 300 CHF und der Selbstbehalt maximal 700 CHF pro Jahr. Die Krankentagegeldversicherung ist unabhängig von der Krankenversicherung und wird häufig vom Arbeitgeber abgeschlossen. In Deutschland werden bei Leistungsbezug Medikamentenzuzahlungen sowie weitere deutsche kassentypische Zuzahlungen fällig.

Die Prämien der Schweizer Krankenkasse sind nicht einkommensabhängig und gerade für Gutverdiener oft tiefer, als die Beiträge in der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung. Allerdings steigen die Beiträge mit dem Alter und jedes Kind kostet zusätzlich. Für Zahnbehandlungen, Zahnersatz und Pflege ist eine Zusatzversicherung empfehlenswert.

2. Sie treten einer deutschen gesetzlichen Krankenkasse bei.

Waren Sie vor Ihrem Stellenantritt in der Schweiz in Deutschland bereits gesetzlich versichert, so können Sie Ihre Absicherung in Form einer freiwilligen Mitgliedschaft weiterführen. Allerdings wird dies oft teuer, da in der Schweiz der gesetzliche Arbeitgeber-Anteil von circa 50 Prozent entfällt.

Ihr Beitrag wird nach dem gültigem Beitragssatz berechnet, der in Deutschland bundesweit einheitlich ist. Ein kinderloser, lediger Grenzgänger muss beispielsweise mit einem Abzug von 16,8 % seines Bruttogehalts rechnen. Dieser ist aber aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze limitiert. 2019 wäre bei unserem Beispiel ein Beitrag von maximal 762 Euro fällig. Mit Zusatzbeiträgen müssen Grenzgänger mit einem Höchstbetrag von rund 812 Euro rechnen.

Sinnvoll ist die gesetzliche Krankenkasse vor allem dann, wenn das Schweizer Einkommen eher niedrig ist und Angehörige kostenlos in der Familienversicherung mitversichert werden sollen. Denn in der Schweiz muss selbst für Kinder eine Prämie bezahlt werden.

3. Sie schließen eine private Krankenversicherung für Grenzgänger in Deutschland ab.

Ab Aufnahme der Erwerbstätigkeit in der Schweiz haben Sie drei Monate lang Zeit, um sich für eine Art der Krankenversicherung zu entscheiden und sich von der Versicherungspflicht befreien zu lassen. Den Antrag inklusive der Bescheinigung über eine bestehende Krankenversicherung in Deutschland reichen Sie bei der zuständigen Stelle im Kanton des Arbeitgebers ein. Die Befreiung müssen Sie auch für nicht erwerbstätige Familienangehörige beantragen sowie für Familienmitglieder, die ebenfalls in Deutschland versichert sind. Dies kann aber kostspielig sein.

Der Abschluss einer PKV in Deutschland lohnt sich vor allem für junge Singles. Es gibt jedoch nur wenige Anbieter, die vollumfänglich für Behandlungskosten in der Schweiz aufkommen. Entsprechende Tarife sind häufig vergleichsweise teuer. Ebenfalls ist es nicht möglich, als Rentner in die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zurückzukehren. Wichtig ist es, seine private Krankenversicherung sorgfältig auszuwählen und lebenslang bei dieser zu bleiben, um hohe Beitragsanpassungen zu vermeiden. Denn wer die Versicherung wechselt, kann die bereits gebildeten Altersrücktstellungen nur zum Teil mitnehmen.

Gehen Sie neben Ihrer Beschäftigung in der Schweiz noch einer unselbständigen Tätigkeit in Deutschland nach, müssen Sie sich in Deutschland krankenversichern lassen.

Versicherung für Schweizer mit Arbeitsplatz in Deutschland

Leben Sie in der Schweiz und sind in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt, müssen Sie einer deutschen Krankenkasse beitreten. Bei Arbeitsantritt teilen Sie Ihrem Arbeitgeber mit, wo Sie sich versichern lassen möchten. Der Arbeitgeber meldet Sie bei der Krankenkasse an und übernimmt einen Teil der Kosten. Der Abschluss einer privaten Krankenversicherung ist erst ab dem Erreichen der Einkommensgrenze von 60.750,00 Euro möglich (Stand 2019).

Private Krankenversicherungen im Test

Tests zu privaten Krankenversicherungen für Grenzgänger wurden nicht gefunden. 2018 publizierte das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) aber eine Studie, in der das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Qualität des Kundenservices von 20 privaten Krankenversicherungen untersucht wurde. In der Gesamtbewertung gingen folgende drei als Testsieger hervor (Quelle):

  1. Barmenia
  2. SDK
  3. Münchener Verein
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