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Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) – lohnenswert oder Abzocke?

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Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)

Bereits ein Beratungsgespräch beim Arzt kann den Patienten Geld kosten – Individuelle Gesundheitsleistungen, auch IGeL genannt, gehören nicht zu den Leistungen innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung. Die Bezahlung dieser individuellen Gesundheitsleistungen werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen.

Da diese Leistungen medizinisch nicht unbedingt notwendig sind, oder ihre Wirksamkeit nicht ausreichend bewiesen ist, muss sie der Patient selbst bezahlen.

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)

Unter IGeL versteht man alle Leistungen, die nicht zum vorgeschriebenen Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören und somit von der Kasse auch nicht bezahlt werden müssen.

Hierunter fallen beispielsweise medizinische Maßnahmen zur Vorsorge, zur Früherkennung und Therapien, deren Wirksamkeit nicht ausreichend belegt sind. Hinzu kommen kosmetischen Behandlungen, Reiseimpfungen, Früherkennungsuntersuchungen und Laborleistungen sowie neue, noch nicht ausreichend erforschten Behandlungsverfahren.

Regelung des IGeL-Verfahrens

Laut dem Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Axel Munte, kann die gesetzliche Krankenkasse keine Optimalvorsorge gewährleisten. Daher sei die Ergänzung durch IGeL sinnvoll.

Die unterschiedlichen Gebühren für IGeL finden Sie hier.

Bei komplizierten Fällen kann sich die Grundgebühr bis auf das 2,3-fache und in einzelnen Fällen sogar bis auf das 3,5-fache erhöhen, abhängig von der gewählten Leistung.

Der Patient sollte vor Erbringung der Leistung über Kosten und Nutzen aufgeklärt werden und derart beraten werden, dass er die Möglichkeit hat, sich frei für oder gegen das Angebot zu entscheiden. Ohne einen schriftlichen Vertrag zwischen Arzt und Patienten hat der Arzt keinen Anspruch auf Bezahlung. Was der Arzt für eine solche Zusatzleistung verlangen darf, regelt die Gebührenordnung für Ärzte.


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WIdO zeigt Mängel am Verfahren auf

Laut einer Studie der WIdO, dem wissenschaftlichen Institut der AOK, zeigen sich jedoch deutliche Defizite bei der Einhaltung der formalrechtlichen Vorgaben und der Qualität der ärztlichen Beratung. So haben die befragten IGeL-Patienten mehrheitlich keine schriftliche Zustimmung erteilt (65,9 Prozent) und 22 Prozent der Befragten hat keine Rechnung über die erbrachte Leistung erhalten. Nur der Hälfte der Patienten (53,5 Prozent) ist der Nutzen des Igel-Verfahrens gut erklärt worden. Ebenfalls lediglich die Hälfte (46,2 Prozent) erhielt vom behandelnden Arzt zu dem Diagnoseverfahren Angaben über die Zuverlässigkeit. Bei mehr als einem Viertel (26,9 Prozent) der angebotenen IGeL fühlten sich die Patienten außerdem zeitlich unter Druck gesetzt.

Hier eine Übersicht zur Einhaltung der formalen Vorgaben bei IGeL nach einzelnen Leistungen:

Vertrag und Rechnung für erbrachte Selbstzahlerleistungen in Prozent

Art der LeistungSchriftliche Vereinbarung?Rechnung erstellt?
Glaukomvorsorgeuntersuchung48,087,3
Kosmetische Leistungen44,488,9
ergänzende Krebsfrüherkennung bei Frauen40,573,0
Hautkrebsvorsorge39,371,4
Ultraschall35,377,3
Blutuntersuchungen/Laborleistungen30,477,2
PSA-Wert Bestimmungen30,397,0
Keine vertragsärztlichen Leistungen, vom GBA abgelehnt28,671,4
Medikamente, Heil- und Hilfsmittel14,373,5
Knochendichtemessungen11,888,2
Akupunktur0,066,7
Sonstiges14,385,7
Insgesamt34,177,9

Quelle: WIdO-monitor 2013


Nutzen ist umstritten

Der Nutzen vieler IGeL ist zudem umstritten. Auch nach Ansicht der Verbraucherzentralen sind nicht alle dieser zusätzlichen Leistungen medizinisch sinnvoll. Die ehemalige Patientenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, ist der Meinung, dass Ärzte oft zusätzliche Maßnahmen anbieten, deren Nutzen häufig fragwürdig sei. Meist gehe es bei den IGeL vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke.

Einschätzung des IGeL-Monitors

Um eine Einschätzung des IGeL-Verfahrens liefern zu können, bewertet das 2012 gestartete Online-Portal IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) Nutzen und Schaden von IGeL nach wissenschaftlichen Kriterien.

Er beurteilt viele Leistungen aufgrund der Analyse wissenschaftlicher Studien.

Bewertungskriterien des IGeL-Monitors

Die Bewertungskriterien des IGeL-Monitors reichen von „Positiv“ über „negativ“ bis hin zu „unklar.“ „Positiv“ bedeutet hierbei, der Nutzen überwiegt eindeutig den Schaden, „tendenziell positiv“ heißt, der Nutzen überwiegt geringfügig den Schaden, „unklar“ – Nutzen beziehungsweise Schaden sind unbekannt oder ausgewogen, „tendenziell negativ“ – der Schaden überwiegt geringfügig, „negativ“ – der Schaden überwiegt eindeutig.

Einige IGeL können sogar schaden

Von manchen Leistungen, wie der Früherkennung von Eierstockkrebs mittels Ultraschalluntersuchung, wird etwa abgeraten. Die US-amerikanische Vorsorgeorganisation Preventive Services Task Force (USPSTF) ist nach der Analyse mehrerer Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Vorsorgeuntersuchung den Faruen mehr schadet als sie ihnen nutzt, da es häufig zu unnötigen Operationen kommt.

Keine, durch den IGeL-Monitor bewertete Leistung kann eine positive Bewertung erreichen. Trotzdem steigt die Zahl der angebotenen privaten Leistungen, wie eine Umfrage des IGeL-Monitors ergab.


Einige private Leistungen immerhin „tendenziell positiv“

Einzelne Leistungen wurden vom IGeL-Monitor mit „tendenziell positiv“ bewertet. Darunter finden sich beispielweise die Akupunktur zur Migräneprophylaxe, und die Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz.

Die Behandlung von Migräne durch Akkupunktur wird durch die Experten des IGeL-Monitor eher postiv eingeschätzt, da es Studien gibt, die Bestätigen, dass diese Methode das gleiche Ergebnis wie Medikamente erziehlt. Akkupunktur bringt zudem keine Nebenwirkungen mit sich.


Auch die Stoßwellentherapie zur Behandlung von Fersenschmerzen wird vom IGeL-Monitor mit „tendenziell positiv“ bewertet, da laut Studien jeder zweite Patient durch das Verfahren über Linderung der Schmerzen berichten kann.

Einige Bewertungen des IGeL-Monitors:

IGeLBewertung IGeL-Monitor
Akkupunktur zur Migränepropylaxe“tendenziell positiv”
Bach-Blütentherapie“unklar”
Bestimmung des HbA1c-Wertes („Diabetes-Vorsorge“)“unklar”
Colon-Hydro-Therapie“negativ”
Dünnschichtzytologie zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs“unklar”
Entfernung von Tätowierungennicht bewertet
Kunsttherapie bei psychischen Erkrankungen“unklar”
Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung („Winterdepression“)“tendenziell positiv”
Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung (ohne Papillenbeurteilung)“tendenziell positiv”
MRT zur Früherkennung einer Alzheimer-Demenz“tendenziell positiv”
Toxoplasmose-Test bei Schwangeren (Früherkennung)“negativ”

Quelle: WIdO-monitor 2013


Fazit und Tipp

Durch verschiedene Studien und Bewertungen zum IGeL-Verfahren zeigt sich, dass es einige wenige hilfreiche, viele unnötige und sogar einige schädliche Methoden innerhalb der individuellen Gesundheitsleistungen gibt. Es muss somit immer indiviuell entschieden werden, ob solch eine private Leistung sinnvoll ist oder nicht.

Entscheiden Sie sich für eine dieser zusätzlichen Leistungen, so sollten Sie sich in jedem Fall vor der Durchführung der Therapie, Beratung oder sonstigen Leistung von Ihrem Arzt zu der Leistung ausführlich beraten und einen Kostenvoranschlag erstellen lassen. Zudem sollten Sie darauf achten, dass der Arzt Ihnen eine Rechnung für die Leistung ausstellt. Sind Sie bei einer Privaten Krankenversicherung können die IGeL-Kosten in einigen Fällen übernommen werden. Lassen Sie sich hierzu von ihrer privaten Krankenkasse beraten.

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