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Notlagentarif

Der Notlagentarif in der PKV - Hilfe bei finanziellen Engpässen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung (PKV) ist ein Tarif für diejenigen Versicherten, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können.
  • Dadurch anfallende Beitragsschulden sollen mithilfe der Versicherung im Notlagentarif rasch beglichen werden.
  • Der 2013 eingeführte Notlagentarif kann nicht frei gewählt werden. Privatversicherte werden unter bestimmten Umständen vom Versicherer in diesen Tarif gestuft.
  • Die Kosten im Notlagentarif belaufen sich auf monatlich circa 100-125 Euro.
  • Der Notlagentarif umfasst lediglich einen stark reduzierten Leistungs­umfang für akute medizinische Behandlungen. Für Kinder, Jugendliche und Schwangere gelten besondere Regeln.
  • Nach Zahlung der kompletten Beitragsrückstände erfolgt eine automatische Rückkehr in den Normaltarif.

Was ist der Notlagentarif?

Mit dem neu geschaffenen Notlagentarif aus dem Jahr 2013 soll denjenigen Versicherten geholfen werden, die aufgrund von finanziellen Engpässen ihre Beiträge nicht mehr zahlen können. Der Notlagentarif ist kein frei wählbarer Tarif in der PKV, der möglichst nur in finanziellen Ausnahmesituationen gelten soll. Sein Ziel ist es, einen besonders günstigen Mindestversicherungsschutz zu gewährleisten, bis der Versicherte seine kompletten Schulden vollständig abgebaut hat.


Wann komme ich in den Notlagentarif?

Um in den Notlagentarif eingestuft zu werden, hat der Gesetzgeber ein zweistufiges Mahnverfahren vor­geschrieben. Die Vorgehensweise läuft wie folgt ab:

  1. Wenn fällige Beiträge nicht gezahlt werden, kann der Versicherer nach 2 Monaten eine erste Mahnung verkünden. Es fallen außerdem Mahnkosten an und ein 1-prozentiger Säumniszuschlag.
  2. Wenn 2 Monate nach der ersten Mahnung noch mindestens ein monatlicher Beitrag geschuldet wird, gibt es die zweite Mahnung.
  3. Wenn dann weiterhin nach einem Monat ein Beitragsrückstand von einem Monatsbeitrag besteht, erfolgt eine automatische Einstufung in den Notlagentarif des Versicherers. Der alte Versicherungstarif ruht bis auf weiteres.

Welche Leistungen enthält der Notlagentarif?

Während Sie im Notlagentarif versichert sind, ruht ihr Normaltarif der privaten Krankenversicherung bis zur Rückzahlung der Beitragsschulden. Der Notlagentarif sieht lediglich einen stark einge­schränkten Leistungsumfang vor. Alle Leistungen der privaten Kranken­versicherung werden auf das Nötigste beschränkt.

  • Es werden die Kosten medizinischer Leistungen für akute Fälle, für eine Schmerzversorgung und die Kosten während Schwangerschaft und Mutterschaft erstattet. 
  • Auch chronische Krankheiten können behandelt werden. Hinzu kommen stationäre und ambulante Betreuungen. 
  • Beihilfeberechtigte erhalten abhängig von der vertraglich festgehaltenen Leistungsstufe 20-50 Prozent der Behandlungskosten erstattet. (PKV für Beamte)
  • Alle sonstigen Kosten neben der unmittelbaren Akutversorgung müssen selbst übernommen werden.

Beitragshöhe des Notlagentarifs

Im Notlagentarif entfallen alle vereinbarten Selbstbehalte und Zuschläge des ursprünglichen Normaltarifs. Es werden auch keine Altersrückstellungen gebildet. Im Gegenteil können die bisher an­gesammelten Altersrückstellungen auf den Beitrag des Notlagentarifs angerechnet werden, was den Beitrag noch einmal senkt. Aus diesem Grund gibt es auch keinen allgemein gültigen Beitrag für jeden Versicherten. Die Kosten der PKV werden individuell berechnet. 

Dennoch kann von Kosten zwischen schätzungsweise 100 Euro bis 125 Euro für den Notlagentarif ausgegangen werden. Je länger Sie im Notlagentarif sind, desto mehr Altersrückstellungen werden aufgebraucht. 

Damit ist der Notlagentarif erheblich günstiger als der Basistarif. Durch den deutlich reduzierten Beitrag soll es erleichtert werden, die angehäuften Schulden zurückzuzahlen. Da der Versicherte im Vergleich zum Basistarif jeden Monat mehrere 100 Euro an Versicherungsprämie spart, sollte dies nach Ansicht des Gesetzgebers zu einer schnelleren Beitragsrückzahlung einschließlich der Säumniszuschläge führen.

Der Notlagentarif ist außerdem arbeitgeberzuschussfähig, was den Beitrag für Arbeitnehmer zusätzlich senkt.

Notlagentarif nur in Ausnahmesituationen

Prinzipiell sollten Sie vermeiden, in den Notlagentarif gestuft zu werden. Wenn Sie Schwierigkeiten bekommen, Ihren PKV-Beitrag zu zahlen, sollten Sie sich an Ihren Versicherer wenden und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen. Sofern Sie nur vorübergehend zahlungsunfähig sind, können Sie um eine Stundung der Beiträge bitten. Auch das Streichen verzichtbarer Leistungen, ein höherer Selbstbehalt oder ein Tarifwechsel können die Beitragslast spürbar senken.

Vor- und Nachteile des Notlagentarifs

VorteileNachteile
Beitragsschuldner bekommen die Chance, wieder in den normalen Versicherungsschutz zurückzukehrenAnteilige Verrechnung der angesammelten Altersrückstellungen. Dadurch müssen nach Rückkehr in den normalen Tarif höhere Beiträge gezahlt werden.
Das Anhäufen weiterer Schulden wird reduziert.Mit dem niedrigeren Beitragssatz gehen auch stark reduzierte Leistungen einher.
Die Umstellung von regulären Tarif auf Notlagentarif ist ohne Säumnisgebühren oder Mahngebühren in der Regel auch rückwirkend möglich. So kann die bereits entstandene Beitragsschuld reduziert werden.Will man die Anpassung des Tarifs für bereits vergangene Monate vornehmen lassen, so kann dies einige Monate in Anspruch nehmen, da dieser Vorgang mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden ist.
Es kann passieren, dass Ärzte Patienten, die im Notlagentarif versichert sind, nicht behandeln wollen, da sie dadurch weniger Geld verdienen.

Besonderer Schutz für Kinder und Schwangere

Kinder und Jugendliche genießen im Notlagentarif einen besonderen Schutz. Für sie werden Heilbehandlungen, die aufgrund einer Krankheit oder als Folge eines Unfalls nötig sind, ebenso übernommen wie Vorsorge­unter­suchungen, Früherkennungen oder erforderliche Schutzimpfungen. Somit erhalten Kinder und Jugendlich eine etwas umfang­­reichere Versicherungsleistung als Erwachsene.

Schwangere dürfen ebenfalls Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. Außerdem gilt eine Unterstützung bei der Entbindung. Dennoch ist diese schutzbedürftige Gruppe der Versicherten mit dem Notlagentarif bei weitem nicht optimal versorgt.


Rückkehr nach Zahlung der Beitragsschulden

Der Notlagentarif sieht ein Rückkehrrecht in den alten Tarif der privaten Kranken­versicherung vor, sofern der ausstehende Teil der Prämien einschließlich aller Zuschläge und Versicherungskosten gezahlt wurde. Der Versicherte erhält dann die Gelegenheit, seinen bisherigen Versicherungsschutz wieder aufzunehmen. Dies geschieht automatisch. Das Versicherungs­verhältnis wird dann ab dem 1. Tag des übernächsten Monats unverändert weitergeführt.

Beachten Sie, dass der Beitrag nun höher als vor der Umstellung ausfallen kann, weil im Notlagentarif anteilig Altersrückstellungen verrechnet wurden. Auch zwischenzeitliche Beitragsanpassungen werden nun berücksichtigt.

Seit Einführung des Notlagentarifs 2013 gab es bis dato einen deutlichen Rückgang der Zahl der sogenannten Nichtzahler von etwa 150.000 auf 100.000. Dieser deutliche Rückgang und eine durchschnittliche Verweildauer im Notlagentarif von circa lediglich einem Jahr belegen seinen Erfolg.


Wieso gibt es den Notlagentarif? Ursache Beitragsschulden

Die seit 2009 geltende allgemeine Versicherungspflicht für privat Versicherte hat bei vielen finanziell schwach gestellten Versicherungsnehmern zu einer teils immensen Anhäufung von Beitragsrückständen geführt. Die ursprüngliche Rechtslage hatte zur Folge, dass man bei andauernder Nichtzahlung in den vergleichsweise teuren Basistarif eingestuft wurde.

Das Resultat war ein weiter wachsender Schuldenberg. Es entstand ein Teufelskreislauf aus steigenden Beitragsschulden und Säumnis- und Mahnzuschlägen. Nicht selten haben privat Versicherte in finanziell klammen Lebensphasen so Beitragsrückstände im hohen fünfstelligen Bereich angehäuft. Insbesondere Selbständige, die zu Beginn in den Genuss niedriger Beiträge kamen, gerieten im Zeitverlauf oft in einen finanziellen Engpass.


Auch Beamte im Notlagentarif

97.400 Versicherte zählte der Notlagentarif Ende 2013, nur einige Monate, nachdem der neue Tarif eingeführt wurde. Aus dem Rechenschaftsbericht der PKV aus dem Jahr 2013 geht außerdem hervor, dass es auch Beamte im Notlagentarif gibt. 6.400 der 97.400 im Notlagentarif Versicherten sind laut des Berichts beihilfeberechtigt. Die Versicherten, die ihre Beiträge nicht zahlten, hatten bis Mitte 2013 Beitragsschulden von insgesamt 745 Millionen Euro angehäuft. Die Versicherer wurden durch diese Ausfälle und die Tatsache, dass sie auch für diese Kunden weiterhin Alterungsrückstellungen bilden mussten, bilanziell stark belastet.

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