Private Krankenversicherung – der Notlagentarif

Private Krankenversicherung NotlagentarifDie Einführung des PKV-Notlagentarifs zum 01. August 2013 resultiert aus der Versicherungspflicht in der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung, die vor einigen Jahren eingeführt wurde. Die seit 2009 geltende Versicherungspflicht hat bei vielen finanziell schwach gestellten Versicherungsnehmern zu einer Anhäufung von Beitragsschulden geführt. Mit dem Notlagentarif soll ein besonders günstiger Versicherungsschutz gewährleistet werden, bis der Versicherte seine Schulden vollständig bezahlt hat. Diese Regelungen gelten für die gesetzliche sowie für die private Krankenversicherung.

Beitragsschulden als Tarifursache

Mit der Einführung der Krankenversicherungspflicht vor einigen Jahren entstand in der Krankenversicherung das Problem, dass bonitätsschwache Versicherte mit der Zahlung ihrer Beiträge finanziell überfordert waren. Selbst ein günstiger Tarif (private Krankenversicherung günstig) führte häufig zu Beitragsschulden in erheblicher Höhe. Da ein Verzicht auf die Krankenversicherung nicht mehr möglich ist, häuften sich die Schulden weiter an, sofern der Zahlungssäumige keine Prämie mehr bezahlen konnte. Es entstand eine Spirale aus steigenden Beitragsschulden bei gleichzeitiger Erhaltung des Versicherungsvertrags. Nicht selten haben Versicherte Beitragsrückstände im fünfstelligen Bereich angehäuft. Säumniszuschläge und Beitreibungskosten, die durch die Versicherer erhoben wurden, haben diese Beträge noch in die Höhe getrieben.

Rückstufung in den Basistarif als Folge

Versicherte mit hohen Beitragsschulden werden in der Regel in den Basistarif (private Krankenversicherung Basistarif) gestuft. Er bietet rudimentäre Leistungen, die etwa dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen entsprechen. Doch der Preis für den Basistarif orientiert sich am Höchstbeitrag der GKV. Somit hat ein zahlungssäumiger Versicherter trotzdem einen hohen Tarifbeitrag zu zahlen und seine Schulden nehmen weiter zu. Im August 2013 reagierte der Gesetzgeber und schuf den Notlagentarif.

Ein Tipp von Versicherungsmakler und PKV-Experten Alexander Vorgerd

In den Notlagentarif werden Versicherte runtergestuft, die ihre Beiträge nicht zahlen (können). Dies gilt allerdings nicht, wenn der Versicherte einen sogenannten Basistarif hat. Versicherte im Basistarif können auch bei Beitragsverzug nicht in den Notlagentarif geschoben werden.

Der Notlagentarif als letzte Rettung

Ziel des Notlagentarifs ist es, Versicherten mit hohen Außenständen einen rudimentären Versicherungsschutz zu bieten und ihren finanziellen Freiraum zu erweitern. Der Notlagentarif garantiert medizinische Leistungen für eine akute Fälle oder für eine Schmerzversorgung. Auch chronische Krankheiten können behandelt werden. Hinzu kommen stationäre und teilstationäre Betreuungen. Nach der Einführung des Tarifs im August 2013 wurde den zahlungsschwachen Versicherten eine Frist bis zum Jahresende gesetzt, um in den Notlagentarif zu wechseln.

Besonderer Schutz für Kinder und Schwangere

Kinder (PKV für Kinder im Test) und Jugendliche genießen im Notlagentarif einen besonderen Schutz. Für sie werden Heilbehandlungen, die aufgrund einer Krankheit oder als Folge eines Unfalls nötig sind, ebenso übernommen wie Vorsorgeuntersuchungen, Früherkennungen oder Impfungen. Somit erhalten Kinder und Jugendlich eine etwas umfangreichere Versicherungsleistung als Erwachsene. Schwangere dürfen ebenfalls Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. Außerdem gilt eine Unterstützung bei der Entbindung. Dennoch ist diese schutzbedürftige Gruppe der Versicherten mit dem Notlagentarif bei weitem nicht optimal versorgt.

Günstiger Beitrag zur Schuldenreduzierung

Die Kosten für den Notlagentarif belaufen sich auf 100 Euro bis 125 Euro. Damit ist der Notlagentarif erheblich günstiger als der Basistarif. Durch den reduzierten Beitrag soll es möglich sein, die angehäuften Schulden schneller zurückzuzahlen. Da der Versicherte im Vergleich zum Basistarif jeden Monat mehrere 100 Euro an Versicherungsprämie spart, sollte dies nach Ansicht des Gesetzgebers eine geplante Beitragsnachzahlung einschließlich der Säumniszuschläge ermöglichen.

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Rückkehr nach Zahlung der Beitragsschulden

Der Notlagentarif sieht eine Rückkehr in den alten Tarif vor, sofern der ausstehende Teil der Prämien einschließlich aller Zuschläge und Beitreibungskosten gezahlt ist. Der Versicherte erhält dann die Gelegenheit, seinen bisherigen Versicherungsschutz wieder aufzunehmen. Bisher liegen wenig gesicherte Erkenntnisse vor, ob dieses Ziel durch den Notlagentarif erreicht wird.