Prüfungsunfähigkeit im Studium

Grundsätzlich sind Studenten während ihres Studiums dazu verpflichtet, an den entsprechenden Klausuren und Prüfungen teilzunehmen. Kann der Student seine Prüfung jedoch aufgrund einer Erkrankung nicht antreten, so muss die Prüfungsunfähigkeit umgehend von einem Arzt belegt werden. Andernfalls wird die versäumte Prüfung als Fehlversuch gewertet. Nach Artikel 3 Absatz 1 GG gilt der Grundsatz der Chancengleichheit. Dieser besagt auch, dass für Prüflinge die gleichen Prüfungsvoraussetzungen gelten müssen. Müsste ein Student also trotz Krankheit an der Prüfung teilnehmen, so wäre die Chancengleichheit verletzt.

Prüfungszeit ist Krankheitszeit

Fast alle Universitäten und Hochschulen kennen das daraus resultierende Phänomen: Während der Prüfungszeit nehmen die Krankheitsfälle mit einem Mal rasend zu. Oft liegen schwere Klausuren an aufeinanderfolgenden Tagen, was für die Studenten doppelten Lernaufwand bedeutet und für die Prüfer, dass nur die Hälfte der Studenten überhaupt zu den Prüfungen erscheint. Der Rest von ihnen darf natürlich nicht unentschuldigt fehlen, weshalb unzählige Krankschreibungen die Universitäten erreichen.

Schriftliches Attest vom Arzt

Spätestens eine Woche nach dem Prüfungstermin muss ein schriftliches ärztliches Attest beim Prüfungsamt vorgelegt werden. Viele Hochschulen und Universitäten akzeptieren auch die Zusendung per Fax oder E-Mail, jedoch muss das Original nachgereicht werden. Wer sein Originalattest per Post verschicken möchte, sollte auf Nummer sicher gehen und das Schreiben per eingeschriebenem Brief versenden.

Hochschulen gehen gegen Gefälligkeitsatteste vor

Für Studenten, die eine Erkrankung vortäuschen, um nicht an der Prüfung teilzunehmen, wird es immer schwerer, denn deutsche Hochschulen gehen verstärkt gegen Gefälligkeitsatteste vor. Auf dem ärztlichen Attest müssen sowohl die Symptome der Krankheit aufgelistet, als auch die abschließende Diagnose beschrieben sein. Die Universitäten wollen so selbst entscheiden können, ob der Student tatsächlich prüfungsunfähig ist. Datenschützer kritisieren diese Regelung, da die Betroffenen ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden müssen, um der Bildungseinrichtung die gewünschten Daten zur Verfügung stellen zu können. Die Uni Kiel sorgte mit ihren Anforderungen an ein Attest bereits 2009 für Empörung.

Geforderte Angaben der Uni Kiel

Die Universität erwartet von ihren Studenten im Krankheitsfall weitaus mehr Informationen als üblich. Dazu gehören:

  • die Bezeichnung der Krankheit (optional)
  • die Symptome bzw. die Art der Leistungsminderung
  • die voraussichtliche Dauer der Krankheit (vorübergehend / dauerhaft)
  • ob aus ärztlicher Sicht eine erhebliche Beeinträchtigung des Leistungsvermögens vorliegt

Universitäten rechtfertigen ihr Vorgehen

Die Uni Kiel ist nur ein Beispiel, auch an der Humboldt-Universität in Berlin wurden nähere Informationen zur Erkrankung der Studenten gefordert. Die Universitäten berufen sich dabei auf die Chancengleichheit, die es sicherzustellen gelte. Den Bildungseinrichtungen zufolge seien ehrliche Studenten im Nachteil, wenn ihre Kommilitonen trotz Prüfungsfähigkeit nicht an den Klausuren teilnehmen, nur weil ein Attest vorliegt.

Orientierung an der Prüfungsordnung

Für alle Studenten empfiehlt es sich, sich an der Prüfungsordnung ihrer entsprechenden Universität zu orientieren, damit die Krankmeldung am Ende auch anerkannt wird und kein unnötiger Fehlversuch zustande kommt. Die meisten Studenten können glücklicherweise aufatmen: Einem Großteil der deutschen Universitäten reicht ein einfaches Attest aus, das auch für Arbeitnehmer gilt. Darauf ist ausschließlich die Dauer der Arbeitsunfähigkeit vermerkt.

Vorteile für Studenten durch PKV

Für Studenten, die die Möglichkeit einer privaten Krankenversicherung (PKV für Studenten) wahrnehmen, bieten sich im Krankheitsfall viele Vorteile. So können sie, dank der freien Arztwahl, den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen und müssen nicht mit langen Wartezeiten rechnen. So erreicht die Krankschreibung gegebenenfalls auch rechtzeitig die Universität!