Beitragsanpassung in der PKV

Beitragsanpassungen in der PKV basieren auf komplizierten mathematischen Berechnungen und unterliegen strengen Regularien, die im Versicherungsaufsichtsgesetz definiert sind. Lesen Sie hier, wie die Beitragsanpassung in der Privaten Krankenversicherung funktioniert.

Rechtliche Vorgaben der Beitragsanpassung PKV

Die Unternehmen der privaten Krankenversicherung sind dazu verpflichtet, die von ihnen kalkulierten, mit den tatsächlich erbrachten Leistungen abzugleichen. Der Vergleich erfolgt anhand von drei so genannten Beobachtungseinheiten (Kinder, Jugendliche und Erwachsene). Ergibt die Aufstellung eine mehr als 10 prozentige Abweichung zwischen kalkulierten und tatsächlichen Kosten, folgt eine Überprüfung aller Prämien für die betreffende Beobachtungseinheit (Die Versicherungsunternehmen können auch einen geringeren Prozentsatz in ihren Versicherungsbedingungen festlegen.). Ergibt sich aus der Überprüfung eine dauerhafte Abweichung von der bisherigen Kalkulation, werden neue Berechnungen erstellt. Die Berechnungen müssen jährlich durchgeführt und sowohl dem Treuhänder als auch der Aufsichtsbehörde vorgelegt werden.

Keine Beitragsanpassung bei vorübergehenden Abweichungen

Stellt sich bei der Überprüfung heraus, dass die Abweichung nur vorübergehender Natur ist, weil sie beispielsweise mit einem besonderen Schadensfall eines einzelnen Versicherten zusammenhängt, erfolgt keine Beitragsanpassung.

Beitragsanpassung ǂ Beitragserhöhung

Mit einer Beitragsanpassung ist nicht zwingend eine Erhöhung der Prämien gemeint. Meist läuft es zwar auf eine Erhöhung hinaus, aber gerade im Bereich Pflegeversicherung wurden die Beiträge auch schon mehrmals gesenkt.

Warum steigen die Beiträge in der PKV?

Hauptursache für Beitragsanpassungen in der PKV sind die Versicherungsleistungen. Es gibt eine Reihe von Gründen, aus denen sich die Leistungen, die der Versicherer erstattet, ändern können. Dazu gehören:

  • Etablierung neuer Behandlungsmethoden und Geräte
  • allgemeine Preisentwicklung im Gesundheitswesen
  • stärkere Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen, als in der Kalkulation vorgesehen

Diese Faktoren sind mit steigenden Kosten verbunden, welche über die Beiträge wieder erwirtschaftet werden müssen.

Ein weiterer Grund für eine Beitragsanpassung nach oben, ist die steigende Lebenserwartung. Wenn die Versicherten durchschnittlich älter werden, müssen die Versicherungsunternehmen mehr Altersrückstellungen bilden.

Beitragsanpassung PKV – Wer kontrolliert die Versicherer?

Die Kalkulation der Beiträge erstellt ein Aktuar, der im jeweiligen Versicherungsunternehmen tätig ist. Der Aktuar ist ein Sachverständiger, der sich z. B. im Versicherungswesen oder der Altersversorgung mit der Gestaltung, Bewertung und Steuerung von Risiken befasst. Dafür arbeitet er mit mathematisch-statistischen Methoden der Versicherungsmathematik. 

Der Aktuar arbeitet eng mit einem, von der Versicherung beauftragten, aber unabhängigen, mathematischen Treuhänder und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zusammen. Diesen übermittelt der Aktuar die entsprechenden Daten. Der Treuhänder überprüft sowohl die Berechnungen als auch die Einhaltung der Rechtsvorschriften. Erst wenn der Treuhänder der Beitragsanpassung zustimmt, wird diese wirksam. Rechtsgrundlage ist § 155 VAG.

Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsaufsichtsgesetz – VAG)

§ 155 Prämienänderungen

(1) Bei der nach Art der Lebensversicherung betriebenen Krankenversicherung dürfen Prämienänderungen erst in Kraft gesetzt werden, nachdem ein unabhängiger Treuhänder der Prämienänderung zugestimmt hat. Der Treuhänder hat zu prüfen, ob die Berechnung der Prämien mit den dafür bestehenden Rechtsvorschriften in Einklang steht. Dazu sind ihm sämtliche für die Prüfung der Prämienänderungen erforderlichen technischen Berechnungsgrundlagen einschließlich der hierfür benötigten kalkulatorischen Herleitungen und statistischen Nachweise vorzulegen. In den technischen Berechnungsgrundlagen sind die Grundsätze für die Berechnung der Prämien und Alterungsrückstellung einschließlich der verwendeten Rechnungsgrundlagen und mathematischen Formeln vollständig darzustellen. Die Zustimmung ist zu erteilen, wenn die Voraussetzungen des Satzes 2 erfüllt sind.

(2) Der Zustimmung des Treuhänders bedürfen

  1. der Zeitpunkt und die Höhe der Entnahme sowie die Verwendung von Mitteln aus der Rückstellung für erfolgsunabhängige Beitragsrückerstattung, soweit sie nach § 150 Absatz 4 zu verwenden sind, und
  2. die Verwendung der Mittel aus der Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung. […]

Welchen Einfluss hat der Versicherte?

Auf eine allgemeine Beitragsanpassung hat der einzelne Versicherte keinen Einfluss. Denn diese beruhen auf Berechnungen, die komplette Beobachtungseinheiten eines Alters betreffen. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, die individuellen PKV Kosten zu beeinflussen.

Eine Auswahl der Optionen

  • Selbstbehalt
  • Beitragsrückerstattung
  • Tarifwechsel
  • Anbieterwechsel

Welche und ob überhaupt, eine der genannten Optionen im Einzelfall geeignet sind, lässt sich am besten im Gespräch mit einem Versicherungsmakler klären.

Kontaktieren Sie uns gern telefonisch unter 030 – 922 77 527 (Mo – Fr: 9 – 18 Uhr) oder per E-Mail unter kontakt@transparent-beraten.de.

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