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Beitragsanpassung in der PKV

Beitragsanpassungen in der PKV unterliegen strengen Regularien - ob sie berechtigt sind, lesen Sie hier
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Das Wichtigste in Kürze

  • Private Krankenversicherungen (PKV) müssen von Zeit zu Zeit Beitragsanpassungen durchführen, um leistungsfähig und wirtschaftlich zu sein.
  • Treibender Faktor sind die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen.
  • Beitragsanpassung bedeutet häufig Beitragserhöhung, kann selten aber auch eine Beitragssenkung sein.
  • Die Versicherer unterliegen strengen gesetzlichen Verpflichtungen. Ein unabhängiger Treuhänder kontrolliert die Kalkulationen der Versicherer und hat das letzte Wort.
  • Der einzelne Versicherte hat die Möglichkeit, mit einer Verringerung der individuellen PKV-Kosten, die Beitragserhöhung abzufedern.

Beitragsanpassung in der PKV – Was tun?

Beitragsanpassungen in der PKV basieren auf komplizierten mathematischen Formeln und Statistiken und unterliegen strengen gesetzlichen Vorgaben. Diese Vorgaben sind im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) festgelegt. Garantiert hohe Leistungen auf Lebenszeit in der PKV auf der einen Seite, aber variable Beiträge, die zumeist steigen, auf der anderen Seite. 

Lesen Sie hier, wie die Beitragsanpassung in der privaten Krankenversicherung funktioniert und über welche Möglichkeiten Sie verfügen.


Warum steigen die Beiträge in der PKV?

Um Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit zu bewahren, sehen sich private Krankenversicherungen regelmäßig in der Situation, die Beiträge anpassen zu müssen. Hauptursache für Beitragsanpassungen in der PKV sind die allgemeinen Versicherungsleistungen. 

Gründe für eine Beitragserhöhung:

  • Neue Behandlungsmethoden und neue medizinische Geräte im Zuge des medizinischen Fortschritts.
  • Die allgemeine Preisentwicklung im Gesundheitswesen, die von steigenden Lohn- und Materialkosten angeheizt wird.
  • Ein Leistungsbedarf der Versicherten, der höher als in der Kalkulation ausfällt.
  • Höhere medizinische Kosten infolge des demographischen Wandels und einer insgesamt gestiegenen allgemeinen Lebenserwartung. Mehr Altersrückstellungen müssen gebildet werden.
  • Die aktuell andauernde Niedrigzinsphase in der Europäischen Union schlägt sich auf die zum Teil am Kapitalmarkt angelegten Versichertenbeiträge nieder. Denn viele Versicherungen gehen in ihren Kalkulationen von höheren Zinsen aus.

Die aufgelisteten Faktoren sind mit steigenden Kosten für die Versicherungsunternehmen verbunden, die über Beitragsanpassungen ausgeglichen werden sollen.

Warum gibt es manchmal eine vergleichsweise große Beitragserhöhung?

In seltenen Fällen kommt es vor, dass beim Vergleich von erwarteten und tatsächlichen Kosten die Schwelle für eine Beitragserhöhung über mehrere Jahre nicht überschritten wurde. Wenn dann nach vielen Jahren der Grenzwert überschritten wird, kommen bei der neuen Kalkulation alle Grundlagen auf den Prüfstand. Sind die Beiträge über einen langen Zeitraum vorher konstant geblieben, können die nun notwendigen Anpassungen zu einem teilweise erheblichen Preisanstieg führen.

Rechtliche Vorgaben der Beitragsanpassung

Die Unternehmen der privaten Krankenversicherung sind jährlich dazu verpflichtet, die von ihnen kalkulierten mit den tatsächlich erbrachten Leistungsausgaben zu vergleichen. Der Vergleich erfolgt anhand von drei sogenannten Beobachtungseinheiten:

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Erwachsene

Ergibt die durchgeführte Kalkulation eine mehr als 10-prozentige Abweichung der tatsächlichen von den kalkulierten Kosten, folgt eine Überprüfung aller Prämien für die betreffende Beobachtungseinheit. Wird in diesem Zusammenhang eine dauerhafte Abweichung von der bisher gültigen Kalkulation festgestellt, werden neue Berechnungen erstellt und eine Beitragsanpassung ist wahrscheinlich.

Beachten Sie: Die Höhe der Beitragssteigerung kann mitunter je nach Versicherung stark unterschiedlich ausfallen. Die erfolgten Berechnungen müssen sowohl einem unabhängigen Treuhänder als auch der zuständigen Aufsichtsbehörde vorgelegt werden. Auch eine 5-prozentige Erhöhung der Sterbewahrscheinlichkeit innerhalb eines Tarifs kann zu einer Beitragsanpassung führen.


Keine Beitragsanpassung bei vorübergehenden Abweichungen

Stellt sich bei der Überprüfung heraus, dass die Abweichung nur vorübergehender Natur ist, erfolgt keine Beitragsanpassung. Dies liegt beispielsweise vor, wenn die Abweichung mit einem besonderen Schadensfall eines einzelnen Versicherten zusammenhängt.

Experten-Tipp:

Beitragsanpassung heißt nicht automatisch Beitragserhöhung

Mit einer Beitragsanpassung ist nicht zwingend eine Erhöhung der Prämien gemeint. Meist läuft es zwar auf eine Erhöhung hinaus, aber in Ausnahmefällen, etwa im Bereich der privaten Pflegeversicherung, wurden die Beiträge aufgrund positiver Entwicklungen auch schon mehrmals gesenkt.

Beitragsanpassung PKV – Wer kontrolliert die Versicherer?

Die Kalkulation der Beiträge erstellt ein verantwortlicher Aktuar, der im jeweiligen Versicherungsunternehmen tätig ist. Der Aktuar ist ein Sachverständiger, der sich z. B. im Versicherungswesen oder der Altersversorgung mit der Gestaltung, Bewertung und Steuerung von Risiken befasst. Dafür arbeitet er mit statistischen Methoden der Versicherungsmathematik. 

Der Aktuar arbeitet eng mit einem, von der Versicherung beauftragten, aber unabhängigen Treuhänder und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zusammen. Diesen beiden übermittelt der Aktuar die entsprechenden Daten und Auswertungen. Der unabhängige Treuhänder überprüft und kontrolliert sowohl die Berechnungen als auch die Einhaltung der Rechtsvorschriften.

Erst wenn der Treuhänder der Beitragsanpassung final zustimmt, wird diese auch gegenüber den Versicherten wirksam. Rechtsgrundlage ist § 155 VAG. Beaufsichtigt wird der Treuhänder von der BaFin. Weder Versicherungsunternehmen noch Treuhänder können die Beiträge also willkürlich anheben oder absenken.

Versicherungsaufsichtsgesetz – VAG

§ 155 Absatz 1 und Absatz 2 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen bestimmen die Rechtmäßigkeit von Prämienänderungen, sprich, wann ein PKV-Unternehmen überhaupt eine Beitragserhöhung durchführen darf. Beim Verdacht auf Unregelmäßigkeiten, sollten diese unbedingt einer Prüfung unterzogen werden. Idealerweise von Ihrem Versicherungsmakler und anschließend bei Bedarf von einem Anwalt.

Welchen Einfluss hat der Versicherte? Ihre Möglichkeiten

Auf eine allgemeine Beitragsanpassung kann der einzelne Versicherte keinen Einfluss ausüben. Denn diese beruhen auf Berechnungen, die komplette Beobachtungseinheiten eines Alters betreffen. Allerdings gibt es verschiedene Handlungsoptionen, den steigenden Beiträgen entgegenzuwirken, indem die individuellen PKV-Kosten verringert werden.

Das sind Ihre Möglichkeiten:

  • Den Selbstbehalt erhöhen
  • Verzicht auf einzelne Leistungen
  • PKV-Tarifwechsel innerhalb des Anbieters (Wechsel in Basis- oder Standardtarif)
  • Wechsel zu einem anderen PKV-Anbieter
  • Freiwillige gesetzliche Versicherung

Welche und ob überhaupt eine der genannten Optionen im Einzelfall geeignet ist, lässt sich am besten im Gespräch mit seinem Versicherungsberater klären.

Was, wenn meine PKV den Beitrag unberechtigt erhöht?

In wenigen Einzelfällen kann es vorkommen, dass eine Beitragsanpassung der PKV unberechtigt ist. Dies zeigt zum Beispiel der Fall der Axa von 2017, in dem das Landgericht Potsdam die Beitragserhöhungen der Axa Krankenversicherung für nicht rechtswirksam erklärte. Das Gericht fand raus, dass der vom Versicherungsunternehmen beauftragte Treuhänder nicht unabhängig war. 

Mit der Unabhängigkeit des zuständigen Treuhänders steht und fällt jede Beitragserhöhung. Sollten Sie berechtigte Zweifel an Ihrer Beitragsanpassung haben, dann wenden Sie sich am Besten an einen Rechtsanwalt zum Versicherungsrecht.

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