Private Pflegeversicherung

Die Versicherungspflicht in Deutschland bezieht sich nicht nur auf die Krankenversicherung, sondern auch auf die Pflegeversicherung. Dabei gilt das Prinzip “Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung”. Das bedeutet, dass Privatversicherte ihre Pflegeversicherung ebenfalls bei einem privaten Versicherungsunternehmen abschließen. Dieses Prinzip bleibt auch für gesetzlich Versicherte dasselbe, denn diese haben ihre Pflegeversicherung in der sozialen Pflegeversicherung.

Versicherungspflicht in der privaten Pflegeversicherung

Mit der Pflegepflichtversicherung sollen im Fall einer Bedürftigkeit die hohen Kosten für beispielsweise ein Pflegebett oder ein Zimmer in einem Pflegeheim abgefedert werden.
Die Versicherungen dürfen gemäß dabei § 110 Abs. 3 SGB XI versicherungspflichtige Antragsteller nicht ablehnen und keine Vorerkrankungen ausschließen. Des Weiteren werden Kinder ebenfalls in der privaten Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert, wie es auch in der gesetzlichen Pflegeversicherung der Fall ist. Außerdem darf die Beitragshöhe nicht den Höchstbetrag der sozialen Pflegeversicherung übersteigen, wenn der Versicherte bereits fünf Jahre lang in der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse versichert ist.

Solange eine Versicherungspflicht besteht, darf das Versicherungsunternehmen den Versicherten nicht kündigen. Die Wartezeit ist die gleiche, wie in der sozialen Pflegeversicherung, der Versicherte muss also mindestens zwei von zehn Jahren vor der Antragsstellung versichert gewesen sein. Wenn ein Elternteil diese Vorversicherungszeit erfüllt hat, gilt sie auch für die Kinder als erfüllt.

Leistungen der privaten Pflegeversicherung

Anders als bei der Krankenversicherung ist die Pflegeversicherung von Vornherein nicht auf eine 100 prozentige Kostenabdeckung im Pflegefall ausgelegt. Beide Kassenarten zahlen lediglich Zuschüsse zu den Pflegekosten im Fall einer Bedürftigkeit dazu. Einen großen Teil der Kosten tragen trotz Pflegeversicherung die Versicherten selbst. Die späteren Leistungen aus der Pflegeversicherung sind komplett steuerfrei.

Der allgemeine Leistungskatalog ist in der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherung weitestgehend gleich. Ein großer Unterschied besteht nur in der Gewährung der Leistungen. Privat Versicherte gehen in Vorleistung und bezahlen ihre Pflege- und Behandlungskosten selbst. Daraufhin bekommen sie einen Beleg über die erbrachten Leistungen der Pflege und müssen diesen Kostennachweis bei ihrer Versicherung einreichen, um den Betrag anteilig erstattet zu bekommen. Anders ist es in der gesetzlichen Pflegeversicherung, dort werden die Sachleistungen direkt gewährt und der gesetzlich Versicherte muss seinen Teil dazu zahlen.

Leistungen bei einem Auslandsaufenthalt

Pflegebedürftige können die Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung nur im Inland beziehen. Im Falle eines längeren Auslandsaufenthalts ruht der Anspruch, jedoch nicht bei einem vorübergehenden Aufenthalt von bis zu sechs Wochen im Jahr.

Pflegegeldversicherung für den Auslandsaufenthalt

Wer jedoch eine zusätzliche Pflegegeldversicherung abgeschlossen hat, profitiert auch in allen anderen Ländern des europäischen Wirtschaftsraums und in der Schweiz von einer zeitlich unbegrenzten Zahlung des Pflegegelds.

Pflegestufen und Leistungen in der Pflegeversicherung

Die Höhe der Leistungen der privaten Pflegeversicherung richtet sich nach der sogenannten Pflegestufe des Versicherten, des Pflegeorts und der pflegenden Personen, wie Verwandte oder Pflegedienstpersonal. Insgesamt werden fünf Stufen, beziehungsweise Pflegegrade unterschieden. Je höher die Pflegestufe also ist, desto mehr wird dem Pflegebedürftigen von der Versicherung ausgezahlt. Darüber hinaus wird in der Pflegepflichtversicherung zwischen ambulanter und stationärer Pflege unterschieden.

Leistungen bei ambulanter Pflege

Über 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden in den eigenen vier Wänden von einer Pflegeperson oder einem Pflegedienst betreut und versorgt. Unter Pflegepersonen versteht man ehrenamtliche Pfleger, wie Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn.

Kümmern sich Pflegepersonen um den Pflegebedürftigen, erhält dieser je nach Pflegegrad eine bestimmte Geldleistung. Diese kann nach eigenem Ermessen verwendet werden, zum Beispiel als Entlohnung für die Pflegeperson.

Falls neben der Pflegeperson noch ein Pflegedienst engagiert wird, wird das Pflegegeld prozentual gekürzt. Jedoch ist in diesem Fall eine Erstattung der häuslichen Pflegehilfe bis zu einer gesetzlich festgelegten Höhe möglich. Daneben kann noch ein “Entlastungsbetrag” von 125 Euro bezogen werden. Dieser Betrag kann zum Beispiel für Angebote zur Unterstützung im Alltag genutzt werden, wie:

  • Haushaltshilfe
  • allgemeine Entlastungsangebote für Familienmitglieder
  • Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Betreuungsgruppen für Demenzkranke

Pflegekosten höher als Maximalbetrag

Es kommt dennoch vor, dass die Pflegekosten den Maximalbetrag für den jeweiligen Pflegegrad übersteigen. In diesem Fall müssen die Restkosten vom Versicherten selbst getragen werden.

Über dies hinaus muss oft die Wohnung oder das Haus des Versicherten pflegegerecht umgebaut oder die Einrichtung angepasst werden, zum Beispiel durch ein Pflegebett. Zu jeder Maßnahme gewährt die private Pflegepflichtversicherung einen Zuschuss über maximal 4.000 Euro dazu.

Leistung bei teilstationärer Pflege

Ist es nicht möglich, den Pflegebedürftigen durchgängig Zuhause zu betreuen, bietet sich eine teilstationäre Pflege an. Diese kann nach Bedarf tagsüber, sowie nachts erfolgen. Verpflegungs- und Unterkunftskosten muss der Versicherte allein tragen. Folgende Pflegeleistungen übernimmt die Pflegeversicherung:

  • Fahrten zwischen Wohnung und Pflegeeinrichtung
  • medizinische Behandlungspflege
  • soziale Betreuung

Leistungen bei vollstationärer Pflege

Falls eine Betreuung im Heim des Pflegebedürftigen gar nicht mehr möglich ist, bleibt noch die Unterbringung in einem Pflegeheim. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung müssen Versicherte selbst finanzieren. Zudem muss ein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil gezahlt werden, da die Pflegekosten höher sind als der Maximalbetrag, der von der Pflegeversicherung erstattet wird.
Dafür werden Zuschläge, die für die zusätzliche Betreuung der Pflegebedürftigen beispielsweise durch Basteln, Musizieren und Sport anfallen, erstattet.

Beiträge zur privaten Pflegeversicherung

Genau wie in der privaten Krankenversicherung orientieren sich auch in der privaten Pflegeversicherung die monatlichen Beiträge am Alter und Gesundheitszustand des Versicherten. Sprich, je später die private Pflegeversicherung abgeschlossen wird, umso höher sind die Kosten im Monat. Damit Versicherte mit höherem Alter finanziell nicht überfordert werden, wurde eine spezielle Regelung eingeführt. Diese besagt, dass Versicherte, die seit der Einführung der Pflegeversicherung oder mindestens seit fünf Jahren privat pflegeversichert sind, maximal den Höchstbeitrag zur sozialen Pflegeversicherung zahlen müssen. Für Versicherte bedeutet das einen derzeitigen monatlichen Beitrag von rund 113 Euro. Beihilfeberechtigte zahlen dagegen nur rund 56 Euro im Monat.

Pflegezusatzversicherungen

Um sich gegen hohe Kosten im Pflegefall abzusichern, können Versicherte weitere Pflegezusatzversicherungen abschließen.

Pflegekostenversicherung

Durch die Pflegekostenversicherung können, je nach frei gewähltem Tarif, die tatsächlichen Pflegekosten vollkommen abgedeckt werden. So knüpft diese Krankenzusatzversicherung sozusagen dort an, wo die normale Pflegepflichtversicherung aufhört. Falls Angehörige die Pflege übernehmen, wird jedoch die Leistung der Pflegekostenversicherung herabgestuft.

Pflegetagegeldversicherung

Bei der Pflegetagegeldversicherung wird zu Versicherungsbeginn ein Betrag vereinbart, den der Versicherte im Pflegefall täglich ausgezahlt bekommt. Dabei ist es vollkommen egal, wie hoch die tatsächlichen Pflegekosten im Endeffekt sind. Der Betrag, der individuell zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer vereinbart wurde, wird auch gezahlt. Das Pflegetagegeld kann frei verwendet werden und kann sogar staatlich gefördert werden.

Pflegerentenversicherung

Durch die Pflegerentenversicherung erzielen Versicherte ein zusätzliches, frei verfügbares Einkommen in Form einer Rente. Die Höhe der Rente richtet sich nach dem Pflegegrad und steht in Abhängigkeit zu den zuvor geleisteten Beitragszahlungen.

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 Befreiung von der sozialen Pflegeversicherungspflicht

Das Prinzip “Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung” kann unter Umständen durch eine Befreiung von der sozialen Pflegepflichtversicherungspflicht außer Kraft gesetzt werden, damit in die private Pflegeversicherung gewechselt werden kann. Voraussetzung hierfür ist die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV. Ein Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht muss binnen drei Monate nach Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft in der GKV bei der Pflegekasse gestellt werden. Andernfalls gilt die Frist als versäumt und ein Wechsel in die private Pflegeversicherung ist nur noch möglich, wenn komplett in die private Krankenversicherung gewechselt wird. Erfolgt die Befreiung von der Versicherungspflicht und wird anschließend die Pflegeversicherung privat abgeschlossen, bleibt unabhängig davon der Versicherungsschutz in der freiwilligen GKV bestehen.