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Rechnungen einreichen: Wie bekomme ich als Privatversicherter mein Geld zurück?

Tipps zum Einreichen der Arztrechnungen - So bekommen Privatversicherte ihr Geld zurück
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PKV-Rechnungen einreichen

Im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung gilt die private Krankenversicherung (PKV) als deutlich leistungsstärker. Der Nachteil: Privatpatienten müssen bei einem Arztbesuch in Vorleistung gehen und die Arztrechnung zunächst selbst bezahlen.

Kostenerstattungsprinzip der privaten Krankenversicherung

Dass die entstandenen Behandlungskosten direkt auf den Privatversicherten übergewälzt werden, geht auf das Erstattungsprinzip der privaten Krankenversicherungen zurück. Gemäß dem Kostenerstattungsprinzip werden zunächst die zur Genesung beitragenden Behandlungen wie auch Therapien in Anspruch genommen. Nach erfolgter Behandlung erhält der Versicherte eine Rechnung des jeweiligen Arztes und muss den ausstehenden Rechnungsbetrag begleichen. Im Anschluss daran kann der Versicherte die Arztrechnung bei seiner Krankenversicherung einreichen und bekommt im Gegenzug eine Kostenerstattung der Behandlungskosten.

Privatpatient ist Vertragspartner

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung tritt der Privatversicherte als Vertragspartner des Arztes auf. Dies bedeutet, dass dem Versicherten die in Anspruch genommene Behandlung in Rechnung gestellt wird. Dabei wird die Arztrechnung auf Grundlage der amtlichen Gebührenordnung erstellt, die einen einfachen Gebührensatz vorsieht (Punkte x 0,0582873 Euro). In jedem Fall kann der Arzt deutlich höhere Behandlungskosten berechnen, als der Arzt eines gesetzlich Versicherten. Im Gegenzug schenkt ihm der Arzt die volle Aufmerksamkeit und nimmt sich für die Untersuchung erfahrungsgemäß mehr Zeit.


Tipps zum Einreichen der Arztrechnungen

Damit ein Leistungsanspruch gegenüber der privaten Krankenversicherung wirksam wird, ist eine Verjährungsfrist von zwei Jahren einzuhalten. Diese beginnt in der Regel mit dem Ende des Jahres, in dem die Rechnung ausgestellt wurde.

Um Fehler bei der Einreichung der Arztrechnung zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, sich einiger Tipps anzunehmen:

Originalbelege: stets Originalrechnungen einreichen, denn nur diese sind zur Kostenerstattung zulässig

Duplikate: zur späteren Kontrolle empfiehlt sich die Anfertigung von Kopien

Abrechnungsformulare: Abrechnungsformulare der Versicherer nutzen – diese erleichtern und beschleunigen den Abrechnungsprozess

Selbstbeteiligung: die tarifliche Selbstbeteiligung und mögliche Beitragsrückgewähr beachten, falls in einem Jahr keine Rechnungen eingereicht werden.

Prüfung: Ergeben die Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung eine höhere Summe als die Summe aller Rechnungsbeträge, ist es sinnvoll, die Rechnungen selbst zu zahlen. Die Rechnungen können im späteren Verlauf immer noch eingereicht werden.

Leistungsbezug: Das Datum der Inanspruchnahme der Leistungen ist maßgeblich für die Zuordnung der Leistungen. Bei Rezepten ist beispielsweise der Datumsstempel der Apotheke entscheidend.

Eigenanteil: Es ist ratsam nachzuprüfen, in welcher Art und Höhe die Selbstbeteiligung zu zahlen ist.

Besonderheiten: Gewährt der Versicherer Besonderheiten im Hinblick auf die Beitragsrückerstattung wie etwa Bonusregelungen, Schadensfreiheitsrabatte und wachsende Rückerstattung bei rechnungsfreien Jahren.


Kosten ärztlicher Behandlungen im Überblick

BehandlungsartKosten
Krebsvorsorge durch Ultraschall30 bis 80 Euro
Osteoporose ScreeningUltraschall: 30 bis 150 Euro
Labor: 70 bis 110 Euro
Mammographie Screening60 bis 190 Euro
Magnetresonanztomogramm (MRT)140 bis 700 Euro

Kostenbeispiele in der privaten Krankenversicherung

Inwieweit sich der Privatversicherte an den Behandlungskosten beteiligt, zeigen die nachfolgenden Kostenbeispiele.

Beispiel für eine Zahnbehandlung

Eine Zahnarztpatientin ist über eine private Krankenversicherung versichert, die die Kosten zu 85 Prozent erstattet. Bei ihrem Kontrollbesuch hat sie unterschiedliche Leistungen in Anspruch genommen:

  • Routinekontrolle/Untersuchung: 30 Euro
  • Füllung eines Zahns mit Kunststoff: 120 Euro
  • Entfernung von Zahnstein: 65 Euro
  • Professionelle Zahnreinigung: 95 Euro

Die gesamten Kosten für den Kontrollbesuch beim Zahnarzt belaufen sich auf 310 Euro. Da die professionelle Zahnreinigung nicht zu den notwendigen Behandlungsmaßnahmen zählt, werden der Patientin 182,75 Euro zurückerstattet. Somit beläuft sich ihr Eigenanteil auf 127,25 Euro.


Beispiel für eine Brille

Nachdem Besuch beim Augenarzt machte sich der Versicherte auf dem Weg zum Augenoptiker. Dort entschied er sich für ein hochwertiges Brillengestell eines bekannten Designers. Ferner bestand er auf Gleitsichtgläser mit Entspiegelung und Beschichtung, die folgenden Kostenfaktor darstellten:

  • Kosten Brillengestell: 390 Euro
  • Mehrstärkengläser: 420 Euro
  • Kosten Entspiegelung: 80 Euro
  • Kosten Tönung: 80 Euro

Hierbei beläuft sich die Gesamtsumme der Kosten auf 970 Euro. Je nach Versicherungsträger und dem zugehörigen Tarif übernimmt die Versicherung eine, beim Versicherungsabschluss vereinbarte, Summe in Höhe von 400 Euro. Somit würde dem Versicherten ein Eigenanteil von 570 Euro auferlegt werden.

Rechnet die Krankenversicherung nach dem Einzelkostenprinzip ab, erfolgt die Erstattung gemäß folgender Kostensätze:

  • Brillengestell: 125 Euro
  • Mehrstärkengläser: 310 Euro

Somit übernimmt die Versicherung einen Kostenanteil von 435 Euro.
Dahingehend hätte er einen Selbstbehalt von 535 Euro zu tragen.


Stationärer Behandlungen: Diese Kosten werden übernommen

BehandlungsartKosten
Schlaganfall43.129 Euro
Chemotherapie bei akuter Leukämie32.672,41 Euro
Hauttransplantation 42.232,76 Euro
Natürliche Geburt1.547,11 Euro
Kaiserschnitt 2.450,35 Euro
Versorgung eines Frühchens (113 Tage)125.404,44 Euro
Versorgung eines Neugeborenen (3,4 Tage)762,88 Euro
Herzinfarkt2.587,67
Einsetzen einer Stentprothese16.127,18 Euro
ByPass 29.346,28 Euro

Beispiel für die Osteopathie als Heilverfahren

Ein Patientin hat sich eine schmerzhafte Zerrung zugezogen. Da sie größtes Vertrauen in die Methoden des Naturheilverfahrens setzt, wählt sie die Schmerztherapie über einen Chiropraktiker. Gemäß ihrem Versicherungstarif wird die Rechnung zu 85 Prozent übernommen, die folgende Kostenpositionen aufweist:

  • 1 Erstanamnese: 135 Euro
  • 10 Sitzungen je 45 Euro: 450 Euro

Insgesamt entstehen dadurch Behandlungskosten in Höhe von 585 Euro. Die Versicherung übernimmt 497,25 Euro, sodass lediglich der Eigenanteil von 87,75 Euro bezahlt werden muss.


Beispiel für eine physiotherapeutische Behandlung

Ein Mann hat mit Schmerzen im Lendenwirbelbereich zu kämpfen. Nach dem Hausarztbesuch bekam er als therapeutische Maßnahme zehn Massagen bei einem Physiotherapeuten verschrieben. Ferner erhält er im Anschluss fünf Sitzungen mit Reizstrom.
Laut dem Leistungsverzeichnis für Heilverfahren übernimmt die Krankenversicherung 70 Prozent der Behandlungskosten, wenn die medizinische Notwendigkeit widerlegt ist.

Nach erfolgter Physiotherapie wurden dem Versicherten folgende Behandlungen in Rechnung gestellt:

  • 10 Sitzungen Massage: 170 Euro
  • 5 Sitzungen mit Strom: 46 Euro

Da die medizinische Notwendigkeit des Versicherten gegeben ist, erstattet die Krankenversicherung 151,20 Euro. Somit bleibt dem Patienten ein Eigenanteil von 64,80 Euro.


Beispiel für eine Heilpraktiker-Behandlung

Ein Patient klagt über schmerzhafte Verspannungen. Daraufhin begibt er sich in die Hände eines Heilpraktikers, der eine Behandlung mit Akupunktur vorsieht. Aufgrund der Tatsache, dass der Patient mit einem Komfort-Tarif bei der Krankenversicherung versichert ist, werden ihm die Kosten bis zu 65 Prozent erstattet.

Nach Inanspruchnahme der Akupunktur werden ihm folgende Kosten berechnet:

  • 10 Sitzungen je 45 Euro: 450 Euro

Von diesem Rechnungsbetrag übernimmt die private Krankenversicherung 292,50 Euro, sodass dem Patienten eine Selbstbeteiligung von 157,50 Euro bleibt.


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Arztrechnungen zum günstigen Zeitpunkt einreichen

Mit dem Einreichen der Arztrechnungen müssen stets Faktoren wie die Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung beachtet werden. Liegt der Rechnungsbetrag beispielsweise bei 300 Euro und der Versicherte besitzt eine Krankenversicherung mit einer Selbstbeteiligung von 400 Euro, kann er gewiss sein, dass ihm keinerlei Kosten erstattet werden. Vor diesem Hintergrund ist es ratsam, die Arztrechnungen zu sammeln und zusammen einzureichen, vor allem dann, wenn die Rechnungssumme höher ist als die Selbstbeteiligung. Jedoch sollte das Einreichen der Rechnung nicht in Windeseile geschehen. Es ist empfehlenswert, sämtliche Rechnungspositionen nochmals durchzugehen, ob tatsächlich alle in Anspruch genommenen Behandlungen etc. auf der Rechnung vermerkt sind und nicht willkürlich zusätzliche Leistungen aufgelistet wurden.


Private Krankenversicherung erstattet notwendige Hilfsmittel

Im Hinblick auf die medikamentöse Behandlung werden sämtliche Arzneimitteln auf Rezept vom Privatversicherten direkt in der Apotheke beglichen. Anschließend kann das von der Apotheke abgestempelte Rezept zur Kostenerstattung bei der Krankenversicherung eingereicht werden. Hierbei übernimmt die private Krankenversicherung sämtliche Hilfsmittel und Arzneien, die für die Genesung des Versicherten vonnöten sind.


Bei stationären Behandlung wird direkt mit der Krankenversicherung abgerechnet

Während der Privatversicherte bei Arztbesuchen zur Kasse gebeten wird, sieht dies im stationären Bereich ganz anders aus. Kommt es zu einem Krankenhausaufenthalt, werden die in Anspruch genommenen Leistungen direkt über die Krankenversicherung des Versicherten abgerechnet, vorausgesetzt, der Privatversicherte hat die Abtretungserklärung unterzeichnet. In dem Zusammenhang ist dem Krankenhaus die sogenannte „Card für Privatversicherte“ vorzulegen. Die Card gibt Auskunft über den Versicherungsschutz des Privatversicherten. Während alle Behandlungsmaßnahmen von der Krankenversicherung übernommen werden, muss der Privatversicherte wahlärztliche Leistungen wie die Chefarztbehandlung selbst zahlen.

Verfahren der Kostenerstattung auf einem Blick

  • Inanspruchnahme medizinischer Leistungen
  • Rechnung
  • Rechnungsprüfung
  • Zahlung der Arztrechnung
  • Einreichen beim Versicherer

Fazit

Versicherter der privaten Krankenversicherung zu sein, bedeutet nicht nur in den Genuss der besten medizinischen Versorgung zu gelangen, sondern gleichzeitig auch einen höheren Kostenaufwand. Dieser muss in der Regel zunächst vom Versicherten selbst getragen werden und kann anschließend von der Krankenversicherung eingefordert werden. Bevor die Arztrechnungen zur Erstattung bei der Krankenversicherung vorgelegt werden, sollten diese nochmals bezüglich der genutzten Versicherungsleistungen unter die Lupe genommen werden. Denn man möchte nicht für Leistungen zahlen, die nicht in Anspruch genommen wurden.

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